Milchindustrie-Verband e. V. - Marktdaten zur Milch

FAQs zum Milchmarkt

1. Wer macht den "Milchpreis" in Deutschland?

Der Milchpreis – ausbezahlt an den deutschen Milcherzeuger – betrug im Durchschnitt des Kalenderjahres 2015 ca. 29,5 Cent/kg, umgerechnet auf 4,0 % Fett / 3,4 % Eiweiß. Im Zeitraum von Januar bis Dezember 2009 erhielten die deutschen Milchbauern z. B. im Durchschnitt 23,83 Cent/kg. Jede Molkerei hat aufgrund ihrer Struktur ihren »eigenen Milchpreis«, saisonal und regional schwankend. In genossenschaftlichen Molkereien wird er durch den Vorstand festgelegt, in der privaten Milchwirtschaft liegen Vertragsbedingungen vor. Der erzielte Milchpreis wird statistisch amtlich erfasst und veröffentlicht. Monatliche Werte der einzelnen Molkereien findet man im Internet unter www.topagrar.com (Milchpreisbarometer) oder für die Region unter www.ble.de.

2. Warum gibt es keinen einheitlichen Milchpreis?

Es gibt keine Einheitsmolkerei. Die Molkereien stellen unterschiedliche Produkte mit unterschiedlichen Erlösen her. Dies definiert die Auszahlungsleistung jeder einzelnen Molkerei. Außerdem unterscheiden sich die Anteile in den verschiedenen Absatzkanälen zwischen den verschiedenen Molkereien z. B. Lebensmitteleinzelhandel, Weiterverarbeitung, Export in andere Länder.

3. Ist der deutsche Milchpreis im internationalen Vergleich hoch oder niedrig?

Der deutsche Milchpreis steht in der statistischen Mitte. Kleinere südliche Länder mit niedrigem Versorgungsgrad haben einen höheren Milchpreis, Länder mit hohem Exportanteil wie Irland liegen unter uns. Der deutsche Milchpreis ist ähnlich dem französischem.

4. Was beeinflusst den Milchpreis?

Angebot und Nachfrage regeln den Preis, das gilt auch am Milchmarkt. Steigt der Preis für Milchprodukte, geht die Nachfrage zurück. Ein hoher Milchpreis fördert die Milchproduktion und Übermengen drücken dann auf den Markt. Auf der Nachfrageseite wirken hohe Produktpreise absatzdämpfend und verschlechtern die internationale Wettbewerbsposition. Niedrigere Milchpreise können zum „Bauernsterben“ führen, also dem Ausstieg einzelner Erzeuger aus der Milchproduktion.

5. Gibt es noch "Milchseen" und "Butterberge"?

Die Lagerbestände von Butter und Milch/Milchprodukten in staatlicher Hand waren seit Jahresbeginn 2012 nahezu abgebaut. Durch die schwierige Marktlage hatte die EU-Kommission Butter und Magermilchpulver 2009 angekauft. Der Ankauf wurde zum staatlich garantierten Mindestpreis durchgeführt, entspricht leider aber nur 20 Cent/kg Auszahlungsleistung der Molkereien. Anträge zur Anhebung wurden von der Kommission zu Letzt 2015 abgelehnt. Anfang 2016 mussten im Rahmen der Stützungsmaßnahmen wieder Milchpulvermengen angekauft werden.

6. Beeinflusst die EU den Milchpreis?

Nur noch wenig und indirekt. Früher gab es eine umfangreiche Marktstützung im Inland sowie Exportförderung. Heute wird nur noch die »Schulmilch« gefördert. Durch relativ hohe Einfuhrzölle der EU wird jedoch der Milchpreis gesichert. Instrumente sind u. a. Zuschüsse beim Export von Molkereiprodukten (seit Anfang 2009 wieder in Kraft, aktuell aber Null) sowie der Ankauf von Butter und Magermilchpulver zum sehr niedrigen Preis. Die damals eingesetzten EU-Gelder wandern nun in Form von Flächenprämien direkt auf das Konto des Milcherzeugers.

7. Welche Wirkung hatte die "EU-Milchquote"?

Die Milchquote war ein individuelles Produktionsrecht für Milch des einzelnen Landwirtes. Bis zu seiner Höchstgrenze durfte er - musste er aber nicht - Milch produzieren. Die Quote war somit die Produktionshöchstgrenze. Sie wurde vom EU-Ministerrat festgesetzt und wurde vom deutschen Zoll überwacht. Wer mehr produzierte, musste Strafe zahlen. Viele deutsche Milchbauern haben für 2014/15 insgesamt ca. 300 Mio. Euro Strafe zahlen müssen, weil sie die ihnen zur Verfügung stehende Quote überliefert hatten. Durch ein kompliziertes Verrechnungssystem von Über- und Unterlieferungen der einzelnen Milchquoten, konnte es jedoch für einige Milcherzeuger lohnend sein, die zugeteilte Menge bewusst zu überschreiten und dafür die Strafabgabe zu bezahlen. Die Milchquote wurde zum 1. April 2015 ersatzlos gestrichen, das haben das EU-Parlament und der Ministerrat 2014 beschlossen.

8. Wie ist die Zukunft der Milchquote?

Die Milchquote lief 2015 aus und wurde ersatzlos abgeschafft. Theoretisch kann jede Molkerei eine eigene Produktionsbegrenzung vereinbaren, dazu braucht sie jedoch die Zustimmung der angeschlossenen Milcherzeuger. Weltweit wendet nur noch Kanada und Israel ein Quotensystem an. Alle wichtigen Wettbewerber auf dem Weltmarkt wie Neuseeland, USA oder Australien haben liberale Märkte. Die Kommission hat 2016 Sondermaßnahmen erlassen, wonach zugelassenen „Agrarorganisationen“ freiwillig und gemeinsam über Mengenbeschränkungen für die Milchproduktion sprechen können (=Ausnahme vom Kartellrecht). Derzeit wendet das jedoch niemand an.

9. Warum wurde trotz Überschüssen die Quote erhöht?

Aufgrund des knappen Milchangebotes im Herbst 2007 forderten viele EU-Mitgliedstaaten mehr Milchquoten. Die deutsche Bundesregierung, der Deutsche Bauernverband und auch die deutsche Milchindustrie waren gegen die Quotenerhöhung von 2,5 Prozent für 2007 und ff. Im EU-Ministerrat fand sich jedoch eine große Mehrheit für den Vorschlag der Kommission. Länder mit mehr »Milchhunger« konnten sich damit mehrheitlich durchsetzen.

10. Wie bereitete sich Brüssel auf den Quotenausstieg vor?

Die Kommission hatte weitere Erhöhungen der Milchquote vorgenommen, so dass diese langsam ihre produktionsbegrenzende Wirkung verlor. Damals beschlossen waren Erhöhungen von fünfmal ein Prozent ab 2009. Darüber hinaus gibt es ein finanziell stützendes Begleitprogramm. Im sogenannten "Milchpaket" wurden zusätzliche Maßnahmen zur Stärkung der Marktstellung der Erzeuger beschlossen. Deutschland hat diese 2013 in nationales Recht umgesetzt.

11. Hatte die Quote einen Wert?

Ja, jedes knappe Gut hat einen Wert. Die Milchquote konnte an speziellen Börsen gehandelt werden. Ein Kilogramm Milchquote (gleich Lieferrecht) kostete an den Quotenbörsen zwischen Null und zwanzig Cent. Wollte der Erzeuger eine Kuh mehr im Stall melken, musste er also erst einmal in ca. 8.000 kg Jahresquote gleich 1000 Euro investieren. Die Milchproduktion war in Deutschland durch die Quotenkosten durchschnittlich mit ca. 4 Cent/kg belastet. Nutznießer waren die „Aussteiger“, Leidtragende die „aktiven Milcherzeuger“. Und dementsprechend verlaufen auch die Diskussionslinien.

12. Was ist ein "Sofamelker"?

Umgangssprachlich bezeichnete man damit ehemalige Milcherzeuger, die ihr Produktionsrecht (Milchquote) an aktive Landwirte verkauft haben. Der beim Verkauf erlöste Gewinn bringt nachhaltig eine Rendite für solche ehemaligen Milcherzeuger, ohne dass diese selbst noch produzieren. Man sitzt also „auf dem Sofa“.

13. Sterben die Milcherzeuger aus?

Nein, altersbedingt steigen ca. 3-5 Prozent aller Milcherzeuger jedes Jahr aus der Produktion aus. Derzeit halten noch ca. 72.000 Milcherzeuger in Deutschland 4,3 Mio. Kühe. Die ausscheidenden Landwirte fanden in der Vergangenheit immer Abnehmer für ihr Produktionsrecht. Der Strukturwandel beschleunigt sich immer, wenn die Milchpreise schlecht sind.

14. Warum wird zu viel Milch produziert?

Bei attraktiven Preisen steigt die Milchproduktion. Wenn dann die Nachfrage, z. B. in Folge des schlechten Dollarkurses, am Weltmarkt sinkt, kann die produzierte Milch nicht mehr abgesetzt werden. Der Preis sinkt. Einige Milcherzeuger versuchen nun durch eine erhöhte Milchproduktion, genauso viel Geld jeden Monat zu verdienen wie zu den Zeiten mit guten Preisen. Durch dieses inverse Angebotsverhalten helfen sie vielleicht ihrem eigenen Betrieb, verschlechtern aber die Aussicht auf eine schnelle Besserung für die Gesamtbranche.

15. Wer vertritt eigentlich die Milcherzeuger?

Zunächst vertritt sich der einzelne Milcherzeuger als Unternehmer selber. Eine Zwangsmitgliedschaft in Vereinen oder Verbänden gibt es nicht. Der größte Teil der Milcherzeuger ist jedoch im Deutschen Bauernverband (DBV) Mitglied. Dort existieren Kreis-, Landes- und der Bundesverband mit seinem Milchausschuss. Ein kleiner Teil der Milcherzeuger ist Mitglied im BDM, dem Bundesverband der Milchviehhalter. Teilweise sind es Doppelmitgliedschaften.

16. Wer vertritt die Molkereien?

Auch hier gilt: Das Unternehmen vertritt sich selbst. Die Molkereien sind freiwillig Mitglied im Milchindustrie-Verband (MIV), die genossenschaftlichen Unternehmen zusätzlich im Deutschen Raiffeisen-Verband (DRV) oder in den regionalen Privatverbänden. Derr „Biosektor“ hat seine eigene Vertretung und Vermarktungsorganisationen.

17. Was kann man gegen "zu viel Milch" tun?

Es gibt unterschiedliche Ansätze. Zunächst könnten die Erzeuger weniger produzieren. Oder die Molkereien müssten den Preis so weit senken, dass weniger angeliefert wird. Auch kann man sich theoretisch eine vertragliche Gestaltung zwischen Einzelmolkerei und Erzeuger vorstellen, so dass dessen Milchproduktion begrenzt wird. In Frankreich werden A- und B-Preismodelle angewendet. Den „Normalpreis“ gibt es für eine Garantiemenge, wer mehr produziert kriegt nur den kleineren B-Preis.

18. Nimmt die Molkerei alle Milch ab?

Bisher ja! Gerade genossenschaftliche Molkereien müssen die ihnen angediente Milch aufkaufen, auch bei schwachen Märkten. Aber auch private Molkereien kaufen alles an. Nach Satzung herrscht „Andienungspflicht“. Diese wird seitens des Kartellamtes derzeit kritisch hinterfragt. Andererseits besteht aber auch die Abnahmeverpflichtung der Molkerei. Der Landwirt ist sich also sicher, dass seine Milch auch abgeholt wird. Dies kann gerade in Zeiten schwieriger Märkte Sicherheit geben. 

19. Warum gibt es keinen Mindestpreis?

Die landwirtschaftliche Marktordnung kennt keinen Mindestpreis für Milch. Der Milchmarkt wird gesteuert über Angebot und Nachfrage. Wollte man einen Mindestpreis festlegen, müsste das „Brüssel“ tun. Bei den unterschiedlichen Produktionskosten in Europa fiele die Festlegung eines Mindestpreises schwer.

20. Warum verkaufen die Milchbauern nicht gemeinsam zum höheren Preis?

Viele Milcherzeuger verkaufen bereits gemeinsam. Sie schließen sich in Milcherzeugergemeinschaften (MEGs, EZGs, „BayernMEG“) zusammen und verhandeln gemeinsam. Der Preis steigt jedoch dadurch nicht, es wird lediglich vereinfacht verhandelt. Auch die verhandelnden Molkereien können nur das auszahlen, was sie an Erlösen für die Milchprodukte am Markt erzielen können.

21. Gibt es einen "Bulkmarkt" oder "Spotmarkt"?

Ja, ca. 20 Prozent der angelieferten Milch wird an andere Molkereien verkauft. Diese bedienen sich spezialisierter Händler im In- und Ausland. Dazu gibt es Spotmärkte für Milchkonzentrate, Sahne oder Molke.

22. Wozu gibt es Notierungen für Milchprodukte?

Es besteht eine gesetzliche Verpflichtung aus Brüssel zur Preismitteilung. Preise für Magermilch-, Vollmilch und Molkenpulver sowie Butter und Käse werden an den Börsen in Kempten und Hannover wöchentlich festgestellt.

23. Warum verkaufen die Molkereien nicht gemeinsam zum höheren Preis?

Preisabsprachen sind verboten und jedes Unternehmen ist für sich selbst verantwortlich. Das schließt strukturelle Änderungen jedoch nicht aus. „Verkaufskontore“ könnten die verkaufte Menge bündeln, dem muss das Kartellamt aber zustimmen. Die Molkereien entscheiden selber, wer ihre Produkte anbietet und verkauft.

24. Welche Auszahlungskriterien beeinflussen den Milchpreis?

Der Milchpreis bezeichnet das Entgelt (in Euro-Cent pro Kilogramm) des Milchverarbeiters an den Milchlieferanten. Dieser wird ab Hof auf Basis des Gehalts an Inhaltsstoffen (Fett, Eiweiß) und von Qualitätskriterien (Keimzahl, Zellzahl, Hemmstoffe, Gefrierpunkt) berechnet. Im Juni 2003 wurden für die EU tiefgreifende Reformen der Agrarmärkte – vor allem produktionsunabhängige Direktzahlungen an die Erzeuger – beschlossen. Im Milchbereich kürzte man die Interventionspreise für Butter und Magermilchpulver um 25 beziehungsweise 15 Prozent. Die Zahlungen für die Milcherzeuger, die die Einkommensverluste zum Teil ausgleichen sollen, sind künftig von der Produktion vollständig entkoppelt und an Umweltschutz- und Landschaftspflege-Kriterien („Greening“) gebunden. Außerdem wurden trotz Überschusslage weitere Milchlieferrechte ausgegeben.

25. Kann der Verbraucher helfen?

Sicherlich kann der Verbraucher helfen. Schauen Sie auf die Packung und kaufen Sie deutsche Produkte. Wenn Sie nicht wissen, woher die Ware stammt, schauen Sie auf die Betriebe-/ Zulassungsnummer auf der Verpackung. Dort muss ein D stehen!

26. Helfen "faire Produkte"?

Die Bewegung „fair“ kommt eigentlich aus der Entwicklungshilfe. Fairer Kakao oder Kaffee sollen den Erzeugern in Afrika bessere Preise bieten. Faire Milch gibt es auch in Deutschland, der Marktanteil ist jedoch verschwindend gering. Die dort angelieferte Milch konnte nie vollständig zum höheren Preis vermarktet werden. Die Lieferanten für die „faire Milch“ wurden nie „fair“ bezahlt.

27. Hilft "regionale" Milch?

Viele Konzepte der freiwilligen Herkunftskennzeichnung existieren. Diese führen auch zu höheren Einnahmen der Händler. Der Effekt auf den Rohmilchpreis für den Milcherzeuger ist jedoch beschränkt. Der Großteil der deutschen Milchprodukte wird über „Handelsmarken“ vertrieben. Darüber hinaus bieten viele Milcherzeuger „ab Hof Verkauf“ an. Diese Mengen sind jedoch sehr gering.

28. Was ist eigentlich "Alpenmilch"?

Der Begriff „Alpen“ ist in Zusammenarbeit mit der bayerischen Landesregierung seit vielen Jahren klar geregelt. Nur in der festgelegten Region erzeugte Milch darf diesen Namen tragen und erhält einen etwas besseren Preis. Davon zu unterscheiden ist die „Bergmilch“, dort gibt es EU-Definitionen.

29. Was ist eigentlich „Heumilch“ oder „Weidemilch“?

Bei der Heumilchdefinition wird auf eine gesonderte Fütterung (Heu/Gras) geachtet. Die daraus hergestellten Produkte erzielen bessere Preise bei allerdings auch höheren Kosten. Die EU-hat hierzu auf Antrag Österreichs Regeln erlassen. Ähnlich wie bei Heumilch werden bei „Weidemilch“ spezielle Anforderungen erfüllt. Z. B. sollen die Tiere an mindestens 120 Tagen je 6 Stunden auf der Weide stehen (wenn es das Wetter zulässt). Auch Weidemilch erzielt einen besseren Preis bei allerdings höheren Kosten.

30. Ist die Milchproduktion eigentlich nachhaltig?

Die deutsche Milchwirtschaft ist nachhaltig. Umfangreiche Untersuchungen haben das nachgewiesen. Große Unternehmen wenden bereits „Nachhaltigkeitsprogramme“ an („Milkmaster“, Arlagarden“ etc.). Im Rahmen des QM e.V. wird seit 2015 ein allgemeines Nachhaltigkeitsprogramm für alle Molkereien mit dem Thünen-Institut entwickelt.

31. Warum sind "gentechnikfreie" Produkte etwas teurer?

Das Milcherzeugnis als solches wird immer ohne Veränderung der Genstruktur ausgeliefert. Gentechnikfreie Milch kann von konventionell hergestellter Milch nicht unterschieden werden. Lediglich die Futtermittel sind „gentechnikfrei“ und damit etwas teurer. Auch die Verarbeitung erfolgt getrennt und erzeugt höhere Kosten. Die Anzahl an Produkten „ohne Gentechnik“ nimmt tendenziell zu.

32. Viele Verbraucher sind doch bereit, einen höheren Preis zu akzeptieren!

Das stimmt wohl, Käufer bei den Molkereien ist jedoch nicht der Verbraucher sondern der Lebensmitteleinzelhandel (LEH). Diese stehen im Wettbewerb untereinander und werben gerne über den niedrigen Preis. Der LEH ist in Deutschland hoch konzentriert, was das Kartellamt in 2014 erneut feststellte. Keine Molkerei hat dieselbe Marktkraft wie einer der großen Spieler im LEH. Die Preise werden meist für 6 Monate im Voraus verhandelt, deshalb entsteht im Mai und November immer Pressewirbel.

33. Hilft der Kauf von "Bioprodukten"?

„Bio“ besetzt eine kleine Nische in Deutschland. Nur gut 2 Prozent der deutschen Milch sind bio, viele Bioerzeugnisse werden importiert. Der Milcherzeuger erhält einen Aufschlag von bis zu 25 Cent/Liter, hat aber auch enorme Kosten und Leistungsverluste. Auch die Verarbeitungskosten sind höher bei kleinen Chargen und getrennter Verarbeitung.

34. Wie ist die Zukunft der deutschen Milcherzeuger?

Eigentlich gut! Experten gehen davon aus, dass die Nachfrage im Ausland schneller wächst als das Angebot. Dies schließt aber Preistäler wie Ende 2015/16 nicht aus. Die Märkte bleiben volatil.

35. Ist "Massentierhaltung" die richtige Antwort?

Die deutsche Milchviehhaltung ist mit 55 Kühen je Milcherzeugerbetrieb von bäuerlichen Strukturen geprägt. Auch größere Bestände sind dem Tierwohl besonders verpflichtet. Tiere in großen modernen Boxenlaufställen fühlen sich oft wohler als Tiere in Kleinstbeständen in alten Stallbauten.

36. Wie hoch sind die Kosten der Milchproduktion?

Das weiß niemand und ist auf jedem Hof unterschiedlich. Es hängt vom Geschick des Landwirtes und seiner Familie ab, orientiert sich stark an den Kosten für Futtermittel etc. Ist das Land im Eigentum oder nur gepachtet, wie sieht der Pachtmarkt aus? Experten schätzen die Produktionskosten zwischen 25 und 45 Cent/Liter, unterschiedlich auch nach Regionen und Können der Milcherzeuger.

37. Hilft der Export?

Ohne Export ginge es nicht! Knapp 50 Prozent der deutschen Milch wird nicht in Deutschland konsumiert. Das meiste geht in die EU und ins Drittland nach China, Naher Osten oder USA. Deutschland exportiert in knapp 100 Länder! Ohne Export hätten wir nur die Hälfte der Milcherzeuger.

38. Wie wirkt der Russland-Boykott?

Deutschland war einer der größten Lieferanten für Milch und Käse nach Russland. Bereits 2012 traten die ersten Betriebesperren von Molkereien seitens des russischen Veterinärdienstes in Kraft. Im August 2014 wurde dann die gesamte EU für den Export nach Russland gesperrt. Die Folgen waren zwar indirekter Natur, alle Länder müssen sich neue Absatzkanäle suchen. Dennoch fehlt für viele milchproduzierende Länder der Welt ein wichtiger Handelspartner und die Konkurrenz auf anderen Märkten ist hoch.

39. Wie wirkt die Griechenlandkrise?

Griechenland importiert aus Deutschland Käse, Kondensmilch und Verarbeitungsware. In Milchäquivalent ausgedrückt sind das ungefähr eine halbe Millionen Tonnen. Der Export nach Griechenland wird komplizierter, die Zahlungsströme sind teilweise behindert.

40. Sind Milchprodukte „vegan oder vegetarisch“?

Milchprodukte sind nie vegan, können aber vegetarisch sein. Lebensmittel aus Vegan-Märkten tragen häufig Namen von Milchprodukten, das ist aber verboten und wird bestraft. Milchprodukte können vegetarisch sein, wenn keine Verwendung von Fleischbestandteilen stattfindet und z. B. auf die Verwendung tierischen Labs (Enzym) verzichtet wird.

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2015 kam es am Milchmarkt in Deutschland und weltweit zu einer deutlichen Preisabschwächung.

Fakten Milch

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Verlagsbeilage im journalist, September 2015

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