0
English
Herzlich Willkommen
19.01.2012
Kartellamtsbericht: Milchindustrie zur Sektoruntersuchung Milch

0
Milchfett und Gesundheit: kein Widerspruch!
Fachliche Hintergrund-Informationen

Die Aufnahme von Milchfett wird in einigen Äußerungen teilweise als ungesund hinsichtlich der Wirkung auf den Cholesterinspiegel und Herz-Kreislauf-Erkrankungen beschrieben. Zur Klarstellung der tatsächlichen Situation auf Basis des aktuellen wissenschaftlichen Standes haben die Wissenschaftler Professor Jahreis und Arnold (Universität Jena) in der Fachzeitschrift "Ernährungsumschau" Nr. 4 aus 2011 (Seite 177 - 181) einen Übersichts-Artikel mit dem Titel "Milchfett und Gesundheit" veröffentlicht. Es handelt sich um eine von anderen Wissenschaftlern begutachtete Publikation im sog. Peer-Review-Verfahren.

Milch und Milchprodukte weisen ein besonderes Nährstoffspektrum auf. Insgesamt zeigen die derzeitigen Studiendaten, dass eine moderate Aufnahme von gesättigten Fettsäuren aus Milch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht erhöht. Damit darf die Wirkung des Milchfettes auf die menschliche Gesundheit nicht pauschal als nachteilig eingestuft werden. Milchfettsäuren sind bezüglich ihrer biologischen Funktionen differenziert zu betrachten.

Der aktuelle Wissensstand zur gesundheitlichen Wirkung von Milchfett stellt sich im Einzelnen wie folgt dar:

Milchfett, ein besonderes Fett

Nahrungsfette sind allgemein wichtige Energielieferanten und Träger von Geschmacks- und Aromastoffen sowie fettlöslicher Vitamine. Milch und Milchprodukte sind wichtige Vitamin D-Lieferanten für die deutschen Verbraucher (NVS II).

Milchfett ist komplex zusammengesetzt (s. Abbildung) und besteht aus mehr als 400 verschiedenen Fettsäuren. In Abhängigkeit ihrer Kettenlänge werden sie in lang-, mittel- oder kurzkettige Fettsäuren eingeteilt. Von ihnen sind im Durchschnitt zwei Drittel gesättigt und ein Drittel ungesättigt.

Detaillierte Informationen zur gesundheitlichen Unbedenklichkeit zur üblichen Aufnahme von wiederkäuerspezifischen Transfettsäuren finden Sie hier.



Bild vergrössern
Abbildung: Zusammensetzung des Milchfetts
(ach Legrand P. Science des Aliments 2008. 28:34-43)
Zur Bezeichnung (Nomenklatur) von Fettsäuren
C= Anzahl der Kohlenstoffatome als Maß für die Kettenlänge
:1, :2; :3 = Anzahl der Doppelbindungen
n-3, n-6 = Stelle der ersten Doppelbindung in der Kette
CLA= konjugierte Linolsäure


Gesättigte Fettsäuren der Milch: nützliche Nahrungsfaktoren

Gesättigte Fettsäuren haben wichtige biologische Aufgaben im Körper und dürfen daher nicht grundsätzlich negativ bewertet werden. Buttersäure ist beispielsweise eine entscheidende Energiequelle für Dickdarm-Zellen und scheint auch bei der Krebsprävention eine Rolle zu spielen. Andere gesättigte Fettsäuren wirken antitumoral (Capron-, Capryl- und Caprinsäure) sowie antibakteriell (Laurinsäure). Diese Fettsäuren kommen natürlicherweise im Milchfett vor.

Gesättigte Milchfettsäuren: verschiedene Wirkung, insgesamt kein KHK-Risiko

Hinsichtlich des Risikos für Herz-Kreislauferkrankungen muss zwischen zwei Cholesterinarten unterschieden werden: das HDL-Cholesterin wirkt schützend, während das LDL-Cholesterin das Auftreten von Herz-Kreislauferkrankungen fördert.

Die Wirkung der gesättigten Fettsäuren auf den Cholesterinspiegel ist unterschiedlich. Jede Fettsäure muss einzeln betrachtet werden. So hat u.a. Stearinsäure (C18:0, Anteil fast 20 Prozent der gesättigten Fettsäuren im Milchfett) keinen Effekt auf die Blutfettwerte, wie Jahreis und Arnold berichten. Das bedeutet, dass sich diese Fettsäure neutral verhält.

Eine gesundheitlich positive Wirkung des Milchfettes ist die Erhöhung des "guten" HDL-Cholesterins, u.a. aufgrund der mittelkettigen Fettsäuren. Einige Fettsäuren steigern das LDL-Cholesterin. Es gibt jedoch Hinweise, dass die vornehmlich in Milch vorkommenden Fettsäuren ausschließlich den Anteil größerer LDL-Teilchen erhöhen und damit das Auftreten kleinerer (kritischer) LDL-Teilchen prozentual verringern. Insgesamt fassen die Autoren zusammen, dass die gesättigten Fettsäuren aus Milch und Milchprodukten das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht erhöhen.

Metabolisches Syndrom und Zuckerkrankheit: Milch ein Schutzfaktor?

Beim Metabolischen Syndrom handelt es sich um das gemeinsame Auftreten von Bluthochdruck, Übergewicht, Störungen der Blutfettwerte und Diabetes Typ 2. Es gibt Studien-Hinweise, dass der Milchkonsum vor dem Metabolischen Syndrom schützt.

Vorwürfe, wonach der Verzehr von Milch das Risiko für den sog. Altersdiabetes (Diabetes mellitus Typ 2) erhöht, sind nach Prof. Jahreis und Herrn Arnold nicht belastbar. Eine aktuelle Studie zeigt sogar, dass der Milchverzehr mit einem verminderten Risiko für Diabetes Typ 2 einhergeht (Mozaffarin et. al, 2010).

Milch ist mehr als Milchfett

Der ernährungsphysiologische Wert von Milch beruht auf ihrer komplexen Zusammensetzung und darf nicht auf den Gehalt der gesättigten Fettsäuren reduziert werden. Die wissenschaftliche Datenlage zeigt, dass gegebenenfalls nachteilige Effekte einiger langkettiger gesättigter Fettsäuren durch andere bioaktive Inhaltsstoffe (wie konjugierte Linolsäure, Kalzium oder Molkenproteine) ausgeglichen werden können.

Milch: essentiell für die tägliche Ernährung

Milch ist Grundnahrungsmittel und essentieller Bestandteil einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Ernährung. Über den reinen Nährwert hinaus hat Milch viele weitere gesundheitliche Vorteile. Sämtliche europäische Ernährungsempfehlungen sprechen sich für die tägliche Aufnahme von Milch und Milchprodukten aus. Dieses bestätigt Professor Jahreis und unterstreicht, dass die tägliche Portion Milch einen wichtigen Beitrag zur gesunden Ernährung leistet und der Prävention von ernährungsmitbedingten Krankheiten dient.

Stand: 02.05.2011

Quellen:

Jahreis G, Arnold G "Milchfett und Gesundheit" Ernährungsumschau Nr. 04/2011

DGF Pressemitteilung "Wissenschaft belegt Bedeutung von Milchfett" vom 14.01.2010

Mozaffarian et al, Trans-Palmitoleic Acid, Metabolic Risk Factors, and New-Onset Diabetes in U.S. Adults A Cohort Study., Ann Intern Med. 2010 dec 21

Nationale Verzehrsstudie II, Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
© 2011 Milch & Markt | Impressum | Datenschutz | Haftungsausschluss
Benutzername Passwort


Wie erwartet hat der Milchmarkt zum Jahreswechsel etwas geschwächelt