Wie sieht die private Nachfrage der deutschen Haushalte nach Milch und Milchprodukten aus?
Welche Mengendifferenzen treten am Milchmarkt auf?
Wie hoch ist der Anteil des produzierten Miclhfettes, dass zu Butter verarbeitet wird?
Eine anschauliche Darstellung der vielzähligen Elemente des Milchmarktes bietet Ihnen auch die
Präsentation der BMI.
1. Wer macht den "Milchpreis" in Deutschland?
Der Milchpreis - ausbezahlt an den deutschen Milcherzeuger - betrug im Durchschnitt des Kalenderjahres 2008 ca. 33,84 Cent/kg, umgerechnet auf 3,7 % Fett / 3,4 % Eiweiß. Im Zeitraum von Januar bis Dezember 2009 erhielten die deutschen Milchbauern im Durchschnitt 23,83 Cent/kg. Jede Molkerei hat aufgrund ihrer Struktur ihren "eigenen Milchpreis", saisonal und regional schwankend. In genossenschaftlichen Molkereien wird er durch den Vorstand festgelegt, in der privaten Milchwirtschaft liegen Vertragsbedingungen vor. Der erzielte Milchpreis wird statistisch amtlich erfasst und veröffentlicht. Monatliche Werte der einzelnen Molkereien findet man im Internet unter www.agrarheute.com .
2. Warum gibt es keinen einheitlichen Milchpreis?
Es gibt keine Einheitsmolkerei. Die Molkereien stellen unterschiedliche Produkte mit unterschiedlichen Rentabilitäten her. Dies definiert die Auszahlungsleistung jeder einzelnen Molkerei.
3. Ist der deutsche Milchpreis im internationalen Vergleich hoch oder niedrig?
Der deutsche Milchpreis steht in der statistischen Mitte. Kleinere südliche Länder mit niedrigem Versorgungsgrad haben einen höheren Milchpreis, Länder mit hohem Exportanteil wie Irland liegen unter uns. Der deutsche Milchpreis ist ähnlich dem französischem.
4. Was beeinflusst den Milchpreis?
Angebot und Nachfrage regeln den Preis, das gilt auch am Milchmarkt. Steigt der Preis für Milchprodukte so schnell wie letzten Herbst, geht die Nachfrage zurück. Ein hoher Milchpreis fördert die Milchproduktion und Übermengen drücken dann auf den Markt. Auf der Nachfrageseite wirken hohe Produktpreise absatzdämpfend und verschlechtern die internationale Wettbewerbsposition.
5. Gibt es noch "Milchseen und Butterberge"?
Nein. Die Lagerbestände von Butter und Milch/Milchprodukten in staatlicher Hand waren zum Jahresbeginn 2009 abgebaut. Durch die schwierige Marktlage hat die EU-Kommission wieder Butter und Magermilchpulver angekauft. Derzeit liegen 76.647 t Butter und 267.740 t Magermilchpulver in öffentlichen Lagern. Dies entspricht etwa 2 % der europäischen Jahresmilchmenge.
6. Beeinflusst die EU den Milchpreis?
Ja, indirekt, aber derzeit nur noch teilweise. Früher gab es eine umfangreiche Marktstützung im Inland sowie Exportförderung. Auch die "Schulmilch" wird noch gefördert. Durch relativ hohe Einfuhrzölle der EU wird jedoch der Milchpreis gesichert. Instrumente sind u.a. Zuschüsse beim Export von Molkereiprodukten (seit Anfang 2009 wieder in Kraft, aktuell gekürzt) sowie der Ankauf von Butter und Magermilchpulver.
7. Welche Wirkung hat die "EU-Milchquote"?
Die Milchquote ist ein individuelles Produktionsrecht für Milch des einzelnen Landwirtes. Bis zu seiner Höchstgrenze darf er - muss er aber nicht - Milch produzieren. Die Quote ist somit die Produktionshöchstgrenze. Sie wird vom EU-Ministerrat festgesetzt und vom deutschen Zoll überwacht. Wer mehr produziert, muss Strafe zahlen. Viele deutsche Milchbauern werden in 2008 insgesamt ca. 80 Mio. € Strafe zahlen müssen, weil sie die ihnen zur Verfügung stehende Quote überliefert haben. Durch ein kompliziertes Verrechnungssystem von Über- und Unterlieferungen der einzelnen Milchquoten, kann es jedoch für einige Milcherzeuger lohnend sein, die zugeteilte Menge bewusst zu überschreiten und dafür die Strafabgabe zu bezahlen.
8. Wie ist die Zukunft der Milchquote?
Die Milchquote läuft in 2015 aus und wird ersatzlos abgeschafft.
9. Warum wurde trotz Überschüssen die Quote erhöht?
Aufgrund des knappen Milchangebotes im Herbst 2007 forderten viele EU-Mitgliedsstaaten mehr Milchquoten. Die deutsche Bundesregierung, der Deutsche Bauernverband und auch die deutsche Milchindustrie waren gegen die Quotenerhöhung von 2,5 % für dieses Jahr. Im EU-Ministerrat fand sich jedoch einen große Mehrheit für den Vorschlag der Kommission. Länder mit mehr "Milchhunger" konnten sich damit mehrheitlich durchsetzen.
10. Wie bereitet sich Brüssel auf den Quotenausstieg vor?
Die Kommission plant weitere Erhöhungen der Milchquote, so dass diese langsam ihre produktionsbegrenzende Wirkung verliert. Derzeit vorgesehen sind Erhöhungen von fünfmal ein Prozent ab 2009. Darüber hinaus gibt es ein finanziell stützendes Begleitprogramm.
11. Hat die Quote einen Wert?
Ja, jedes knappe Gut hat einen Wert. Sie kann an speziellen Börsen gehandelt werden. Ein Kilogramm Milchquote (gleich Lieferrecht) kostet an den Quotenbörsen derzeit 15-20 Cent. Will der Erzeuger eine Kuh mehr im Stall melken, muss er also erstmal in ca. 8.000 kg Jahresquote gleich 1.600 € investieren. Die Milchproduktion wird in Deutschland durch die Quotenkosten durchschnittlich mit ca. 4 Cent/kg belastet.
12. Was ist ein "Sofamelker"?
Umgangssprachlich bezeichnet man damit ehemalige Milcherzeuger, die ihr Produktionsrecht (Milchquote) an aktive Landwirte verkauft oder verpachtet haben. Der beim Verkauf erlöste Gewinn bringt nachhaltig eine Rendite für solche ehemaligen Milcherzeuger, ohne dass diese selbst noch produzieren.
13. Sterben die Milcherzeuger aus?
Nein, altersbedingt steigen ca. 5 % aller Milcherzeuger jedes Jahr aus der Produktion aus. Derzeit halten wir noch ca. 100.000 Milcherzeuger in Deutschland mit 4,1 Mio. Kühen.
Die ausscheidenden Landwirte fanden in der Vergangenheit immer Abnehmer für ihr Produktionsrecht. Die in Deutschland verteilte Quote wird dann von den verbleibenden Milchbauern ermolken.
14. Warum wird zuviel Milch produziert?
Bei attraktiven Preisen steigt die Milchproduktion. Wenn dann die Nachfrage z. B. in Folge des schlechten Dollarkurses am Weltmarkt sinkt, kann die produzierte Milch nicht mehr abgesetzt werden.
15. Was kann man gegen "zuviel Milch" tun?
Da gibt es unterschiedliche Ansätze. Zunächst könnten sich die Erzeuger an ihre Quote halten und weniger produzieren. Oder die Molkereien müssten den Preis so weit senken, dass weniger angeliefert wird. Auch kann man sich eine vertragliche Gestaltung zwischen Einzelmolkerei und Erzeuger vorstellen, so dass dessen Milchproduktion begrenzt wird.
16. Nimmt die Molkerei alle Milch ab?
Bisher ja! Gerade genossenschaftliche Molkereien müssen die ihnen angediente Milch aufkaufen und ggf. schlecht verwerten. Aber auch private Molkereien kaufen alles an.
17. Gibt es einen "Bulkmarkt oder Spotmarkt"?
Ja, ca. 30 % der angelieferten Milch wird an andere Molkereien verkauft. Diese bedienen sich spezialisierter Händler im In- und Ausland.
18. Wozu gibt es Notierungen für Milchprodukte?
Es besteht eine gesetzliche Verpflichtung aus Brüssel zur Preismitteilung. Preise für Magermilch-, Vollmilch und Molkenpulver sowie Butter und Käse werden an den Börsen in Kempten, Hannover und bei der ZMP in Bonn festgestellt. Die ZMP veröffentlicht monatlich eine Übersicht der aktuellen Auszahlungspreise der Molkereien.
19. Warum verkaufen die Molkereien nicht gemeinsam zum höheren Preis?
Preisabsprachen sind verboten und jedes Unternehmen ist für sich selbst verantwortlich. Das schließt strukturelle Änderungen jedoch nicht aus.