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19.01.2012
Kartellamtsbericht: Milchindustrie zur Sektoruntersuchung Milch

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Milchindustrie in turbulenten Zeiten
- MIV: Bessere Marktlage in Sicht
München/Berlin, 22.10.2009 - Die deutsche Molkereiwirtschaft hat großes Verständnis für die Nöte der Milcherzeuger. Die schlechten Milchpreise der vergangenen Monate bedrohen die Existenz vieler Betriebe. Die Konsequenzen der politischen Entscheidungen aus den Jahren 2000 und 2003 für mehr Marktwirtschaft auch bei Milch sind in Form schwankender Preise deutlich spürbar. "Wir befinden uns in turbulenten Zeiten. Ein Auf und Ab bei den Milchpreisen, ähnlich wie bei Getreide und Schweinefleisch, wird es auch in Zukunft geben", stellt der Vorsitzende des Milchindustrie-Verbandes e.V. (MIV), Dr. Karl-Heinz Engel, am Rande der diesjährigen Jahrestagung der Milchindustrie in München fest. "Derzeit stabilisieren sich die Produktpreise deutlich, was sich mittelfristig positiv auf den Milchpreis auswirken dürfte", so Dr. Engel.

Der größte Bereich der deutschen Ernährungsindustrie konnte für 2008 noch einen leichten Umsatzzuwachs auf 22,3 Mrd. Euro verbuchen, in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres brach dieser jedoch um fast 17 % ein. Auch der Exportwert von rund 4,8 Mrd. Euro aus den Vorjahren dürfte in 2009 bei einem bereits bis Juli aufgelaufenen Rückgang um rund 15 % nicht mehr aufzuholen sein, obgleich die Mengenentwicklungen (z. B. Käse + 7,3 %) in Teilen des Sortiments nach oben zeigen. Einen weiteren Grund für den Rückgang der Umsätze sieht der Verband in der schlechten Nachfrage der weiterverarbeitenden Lebensmittelindustrie nach Milcherzeugnissen.

Nach der Preisrallye der Jahre 2007 und 2008 sind die Märkte den ökonomischen Grundprinzipien gefolgt und in 2009 regelrecht abgestürzt. "Hier müssen auch seitens der Milchindustrie Instrumente geschaffen werden, um einen besseren Ausgleich zwischen Hoch- und Tiefstpreisphase zu ermöglichen. Dem Risikomanagement wird in der Zukunft besondere Bedeutung zufallen, nachdem die Brüsseler Kommission viele Marktordnungselemente gestrichen hatte", so Dr. Engel.

Verschärft wurde die Situation durch die Wirtschaftskrise, die die internationale Nachfrage als wesentliche Antriebsfeder für die deutsche Milchindustrie stark absinken ließ. Gleichzeitig stieg die Milchanlieferung im ersten Halbjahr 2009 um 4,3 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum an. Ergebnis: Günstige Milchprodukte für die Verbraucher sowie niedrige Auszahlungspreise für die Milcherzeuger. Dennoch waren Milchprodukte bei den Konsumenten bis zum Sommer dieses Jahres nicht sehr hoch im Kurs. Bis auf Butter wurde je nach Produkt zwischen 0,5 % und knapp 5 % weniger Milch, Käse, Quark & Co. verzehrt als die Jahre vorher. "Schwache Absatzmengen multipliziert mit Dauertiefstpreisen können keine hohen Milchpreise ergeben", stellt MIV-Hauptgeschäftsführer Eckhard Heuser fest. "Für die nächsten Monate sind wir leicht optimistisch, Euphorie ist allerdings nicht angesagt, dafür ist die Situation noch zu labil", so Heuser weiter.

Die EU-Politik hat während dieser schwierigen Marktphase nach Auffassung des MIV die richtigen Maßnahmen zur Abfederung der Talfahrt in Form von Erstattungen und Interventionstätigkeit ergriffen. "Derzeit liegen rund 2 % der EU-Milch in den Lagern. Die EU-Kommission muss nunmehr Fingerspitzengefühl bei der Auslagerung beweisen, indem die Rückführung dieser Mengen ohne Marktstörung erfolgt", fordert der MIV-Vorsitzende Dr. Engel von der Brüsseler Agrarverwaltung. Auch die Stützungsmaßnahmen für die Milcherzeuger werden vom MIV begrüßt. "Das Festhalten am beschlossenen Ausstieg aus der Milchquote gibt den zukunftsorientierten Milcherzeugern Planungssicherheit. Richtig war es insbesondere, durch niedrige Milchpreise entstandene Liquiditätsengpässe zu überbrücken", so Dr. Engel weiter. "Dieser Weg darf von der Politik nicht verlassen werden. Für eine erfolgreiche Arbeit in unseren Molkereien sind eindeutige und gelebte politische Rahmenbedingungen mit marktwirtschaftlicher Prägung hilfreicher als die Auseinandersetzung mit rückwärts gerichteten Diskussionen, die Ansätze einer Renationalisierung und Rückkehr zur gerade aufgegebenen Planwirtschaft in sich tragen", fordert der MIV-Vorsitzende. Anerkennung zollte er in diesem Zusammenhang sowohl Bundeskanzlerin Merkel als auch EU-Kommissarin Fischer-Boel für deren klares Bekenntnis zur Umsetzung der politischen Weichenstellung bei Milch. Dr. Engel: "Derartig eindeutige Stellungnahmen in der Öffentlichkeit seitens der Politik wären in den letzten beiden Jahren öfters von Nöten gewesen, nicht zuletzt auch um nicht erfüllbaren Erwarten keinen Nährboden zu geben. Wir haben alle zusammen viel Zeit mit der Diskussion um nicht erfüllbare Vorschläge verloren. Die Entscheidungen zum europäischen Quotensystem haben die Milcherzeuger selber getroffen. Die Quotenfrage ist Erzeugerfrage und sollte nicht nur von einer Minderheit der Milcherzeuger beantwortet werden."

Für die Zukunft erhoffen sich die Unternehmen der deutschen Milchindustrie insbesondere von der neuen Bundesregierung und der EU-Kommission Stabilität und Verlässlichkeit und keine nationalen Alleingänge Deutschlands: "Durch die enge europäische Einbindung der Milchwirtschaft würden derartige Sonderwege Deutschlands unsere Wirtschaftskraft zu Gunsten der Mitbewerber aus den EU-Nachbarländern schwächen", stellt der MIV-Vorsitzende nochmals deutlich heraus. Strukturanpassung auf Erzeuger- und Verarbeiterebene hat mit und ohne Mengenregelung stattgefunden und wird auch weitergehen. Die Herausforderung besteht darin, die Ausschläge der Volatilität einzudämmen und längerfristig an der positiven Entwicklung der Märkte teilzuhaben. Die deutsche Molkereiindustrie hat sich diesen Herausforderungen in der Vergangenheit erfolgreich gestellt und wird dies auch weiterhin tun. "Deutschland ist und bleibt Milchland Nummer eins in Europa. Durch unser starkes Know-How werden wir die Schwankungen der Märkte bewältigen und auch am kommenden Marktwachstum teilnehmen können. Das gilt für Milcherzeuger und uns als Milchindustrie gleichermaßen!", zeigt sich der MIV-Vorsitzende Dr. Engel zuversichtlich.

Unterlagen aus der Pressemappe:

Foto: Dr. Karl-Heinz Engel | Vorsitzender des MIV | Geschäftsführer der Hochwald Nahrungsmittel-Werke GmbH

Foto: Eckhard Heuser | Hauptgeschäftsführer des MIV

Vortrag: Eckhard Heuser | Hauptgeschäftsführer des MIV

Statistik zur Milchwirtschaft

Den Mitschnitt der Pressekonferenz finden Sie in Kürze unter: http://www.webpk.de/miv_22102009

Weitere Informationen rund um Milch finden Sie unter
www.milchindustrie.de
www.meine-milch.de

Der Milchindustrie-Verband e.V. (MIV) repräsentiert etwa 100 leistungsstarke, mittelständische Unternehmen. Diese stellen mit einem Jahresumsatz von rund 22 Milliarden Euro den größten Bereich der deutschen Ernährungsindustrie dar.

Kontakt:
Milchindustrie-Verband e.V.
Michael Brandl
Jägerstraße 51
10117 Berlin
Tel: 030 4030445-31, Fax: -57
Mobil: 0171-7337445
Mail: michael.brandl@milchindustrie.de
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Wie erwartet hat der Milchmarkt zum Jahreswechsel etwas geschwächelt