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Ankündigung erneuter Demonstration von Milchbauern
Große Mehrheit der europäischen Milcherzeuger aber für Liberalisierung
Molkereien mischen sich nicht in Erzeugerfragen ein


Berlin, 15. Oktober 2008 - Vor dem Hintergrund anstehender agrarpolitischer Entscheidungen zur Milchmengenregelung (Milchquote) hat eine deutsche Milcherzeugerorganisation zu einer "Milchparade" in Berlin aufgerufen. Dass dabei auch die Molkereien ins Kreuzfeuer der Kritik genommen werden sollen, ist für den Milchindustrie-Verband e.V. in Berlin (MIV) sachlich nicht nachvollziehbar.

Die deutschen Molkereien sehen nach Auffassung des MIV ihre Aufgabe in der bestmöglichen Vermarktung der von den Milcherzeugern angelieferten Milch, um langfristig für die Landwirte zukunftsichernde Milchpreise zu erwirtschaften. Auf das Anlieferungsverhalten, die Einhaltung der Milchquote und die Einstellung der einzelnen Milcherzeuger zur Milchquotenpolitik hatten und haben die deutschen Milchverarbeiter keinerlei Einfluss. Eine Entscheidung über die Ausgestaltung der auslaufenden Milchmengenregelung haben die Milcherzeuger schon immer intern und eigenverantwortlich nach demokratischen Prinzipien getroffen und sollten dies auch weiterhin tun.

Die Milchindustrie weist lediglich rein sachlich darauf hin, dass auch für die deutsche Milchwirtschaft als Teil der Europäischen Union die Vorgaben und Entscheidungen aus Brüssel uneingeschränkt gelten. Der dort eingeschlagene Weg der Liberalisierung wird von der großen Mehrheit der EU, einschließlich Deutschlands, befürwortet. Vor wenigen Tagen erst hat das EU-Parlament sogar empfohlen, die Milchquote weiter zu erhöhen. Deshalb sind Änderungswünsche an die Politik, und hier insbesondere nach Brüssel zu richten, die dann mit entsprechenden Mehrheiten auf europäischer Ebene abgesegnet werden müssen.

Eine rein deutsche Beschränkung bei den Milchquoten, wie sie von Teilen der deutschen Milcherzeuger gefordert wird, wäre nach Auffassung des MIV kontraproduktiv für die deutschen Milcherzeuger und Milchverarbeiter. Diese würde, im Gegenteil, die deutsche Milchwirtschaft weiter ins Abseits drängen und im Druck der internationalen Preise dem expandierenden Wettbewerb im Ausland zunehmend wehrlos ausliefern. Die meisten anderen Länder in Europa gehen gänzlich andere Wege bei der Gestaltung ihrer nationalen Milchpolitik. Frankreich, zum Beispiel, lockerte sein Quotenrecht, so dass die französischen Milchbauern in 2008 fast 900 Mio. kg mehr Milch erzeugten.

Damit wäre Deutschland faktisch von der allgemeinen Entwicklung abgekoppelt, die den heimischen Milchbauern beispielsweise im letzten Wirtschaftsjahr erhebliche Einkommenszuwächse um rd. 40% bescherte. Auch bis zum Juli dieses Jahres lagen die Auszahlungspreise für die Milcherzeuger mit knapp 34 Cent pro Kilogramm Milch über den Vorjahreswerten.

Aktuell sind die nationalen und internationalen Milchmärkte nach der Hausse des letzen Jahres in einem deutlichen Abwärtstrend. Ein europaweit hohes Milchaufkommen in Verbindung mit schlechten Absatzzahlen bringen den Markt zunehmend unter Druck, der in Kürze zu niedrigeren Milchpreisen führen könnte. Insbesondere eine deutlich spürbare Kaufzurückhaltung , trotz anderslautender Lippenbekenntnisse der Verbraucher, durch die hohen Preise des letzten Jahres, aufgrund von Verlusten von Marktanteilen im Ausland durch die ungünstige Euro - Dollar Relation und als Konsequenz daraus, weiter steigende Lagerbestände bei Molkereiprodukten, sind als Hauptursachen für die derzeitige Absatzschwäche anzuführen.

Auch der vom scheidenden Agrarminister Seehofer auf dem "Milchgipfel" Ende Juli vergebene Prüfauftrag zur Anpassung des deutschen Quotenrechtes hat und wird diesen Trend nicht aufhalten können. Nationale Regelungen können erfahrungsgemäß internationale Marktentwicklungen und damit auch die üblichen Marktschwankungen in liberalisierten Systemen nicht aushebeln.

Die weit überwiegende Mehrheit der europäischen Milcherzeuger hat die Chancen der Liberalisierung erkannt und richtet sich durch Produktionsoptimierung darauf ein. Um einzelne Härten für besonders benachteiligte Erzeugergebiete auszugleichen, steht der MIV weiteren Direktzahlungen in Form eines staatlichen Milchfonds für diese Erzeuger positiv gegenüber. Auch dürften die derzeit sinkenden Kosten für Energie und Futter eine gewisse Entlastung in der Bilanz der Milcherzeuger bringen. Gleichzeitig sollte durch diesen Milchfonds die strukturelle Weiterentwicklung der zukunftsorientierten Milcherzeuger gefördert werden, was im Hinblick auf das bereits beschlossene Ende der Milchmengen-regelung im Jahr 2015 nach Auffassung des MIV vorrangige Aufgabe der Politik sein muss. Dabei ist aber auch eine Unterstützung für den Ausbau einer modernen Milchindustrie, der aus diesen strukturellen Anpassungsprozessen resultiert, erforderlich.

Zusammenfassend stellt der MIV fest, dass sicherlich in Reihen der mehr als 500.000 europäischen Milcherzeuger nicht alle dem von der EU-Politik vorgegebenen Weg der Liberalisierung folgen wollen, die große Mehrheit der EU-Milcherzeuger aber die Chancen der neuen Milchmarktpolitik ergreifen möchte. Auf dem Weg dorthin ist die Politik gefordert, mit entsprechenden Begleit-maßnahmen, wie z.B. einem Strukturfonds, die Belastungen für Erzeuger und Verarbeiter durch die temporären Marktschwächen abzufedern und die strukturellen Anpassungen zu begleiten.


Der Milchindustrie-Verband e.V. (MIV) repräsentiert mehr als 100 leistungsstarke, mittelständische Unternehmen. Diese stellen mit einem Jahresumsatz von rund 22 Milliarden Euro den größten Bereich der deutschen Ernährungsindustrie dar.


Kontakt:

Milchindustrie-Verband e.V.
Michael Brandl
Jägerstrasse 51
Tel: 030 4030445-31
Fax: 030 4030445-57
Mobil: 0171-7337445
Mail: michael.brandl@milchindustrie.de


Hinweis: persönliche Interviews mit Herrn Brandl sind ab 15.10. nachmittags gerne möglich.
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