Wissenschaftler: Buttertest fachlich indiskutabel!
Der von der Stiftung WARENTEST veröffentlichte ,Buttertest' wird von führenden Milchwissenschaftlern aus fachlicher Sicht mit seinen Beurteilungen inzwischen verworfen. Der Grund: Die ‚Aktivität von Milchsäurebakterien', die von WARENTEST als wesentliches Beurteilungskriterium im ‚Buttertest' eingeführt wurde, ist als Qualitätskriterium für Butter unzutreffend und fachlich falsch. Weitere Unzulänglichkeiten des ‚Buttertests' führen zur Frage: Wer kontrolliert die Kontrolleure?
München, 9. Oktober 2008 - Öffentliche Kontrolle von Lebensmitteln ist wichtig: doch sie muss verantwortungsvoll und fachlich einwandfrei vollzogen werden, denn Fehler sind hier nicht akzeptabel. Besonders die Beurteilungstests der Stiftung WARENTEST müssen deswegen jeder substanziellen Kritik standhalten. Der aktuelle ‚Buttertest' allerdings konnte bei Milchwissenschaftlern und auch Milchverarbeitern nicht überzeugen.
Der Milchindustrie-Verband e.V. (MIV), Berlin, vertreten durch den Geschäftsführer Michael Brandl, monierte zusammen mit den Milchwissenschaftlern Prof. Dr. Knut Heller vom MRI-Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmitteln, Kiel und Dr. Herbert Seiler von der TU München und Freising, Weihenstephan, beim WARENTEST-Buttertest inakzeptable Daten-Verwechslungen, Begriffsverwirrungen und fachliche Fehler.
Die Andechser Molkerei Scheitz, die beim WARENTEST-‚Buttertest' bei der von ihr hergestellten Butter sowohl verwechselte, fehlerhafte Daten feststellen musste als auch eine nicht nachvollziehbare "Beurteilungs-Spanne von 1.9 bis 5" und das fehlerhaftes Qualitätskriterium Milchsäurebakterien, gab als betroffene Molkerei dem MIV das Beispiel für die Forderung nach "transparentem Qualitätsmanagement auch bei der Stiftung WARENTEST"!
Auslöser der aktuellen WARENTEST-Kritik war der Entschluss der Andechser Molkerei, sich gegen die WARENTEST-Beurteilung ‚Mangelhaft' für ihre ‚Natur Sauerrahmbutter' zur Wehr zu setzen. Denn zu offensichtlich war, dass die für ihre Butter angegebenen Daten nicht stimmen konnten! Die Verwechslung von Daten hat der Vorstand der Stiftung WARENTEST inzwischen zwar eingestanden und diese fehlerhaften Angaben auch aus seiner Internetseite gelöscht. Die WARENTEST-Zeitschrift ‚test' jedoch war bereits gedruckt und wurde am Markt ausgeliefert.
Nachdem dieser WARENTEST-Buttertest bezüglich der Qualitätsbewertung jedoch mit einem zu geringen Gehalt an Milchsäurebakterien in der Butter begründet wurde, hatte sich die Molkerei an den Freiburger Anwalt Hanspeter Schmidt gewandt. Dieser beantragte beim Landgericht Mannheim die Unterlassung entsprechender Aussagen der Stiftung WARENTEST.
Die Stiftung WARENTEST jedoch berief sich in einer ersten Verteidigung ihres ‚Buttertests' auf ein Standardwerk der Molkereiwissenschaft, wo nach ihrer Lesart den Milchsäurebakterien in der Butter letztlich ein maßgebliches Qualitätskriterium zukommen würde.
Erstaunlich: der Autor dieser zitierten Aussage im Standardwerk, der Milchwissenschaftler Dr. Herbert Seiler von der TU München, Weihenstephan, stellte dazu eindeutig fest, dass die Anzahl der Milchsäurebakterien kein "Qualitätskriterium für industriell hergestellte Sauerrahmbutter" sind.
In seiner Stellungnahme legt er sich fest: "Entscheidend für den Genusswert der Butter ist die Ausprägung des Butteraromas (Diacetyl) und der milchig saure Geschmack und nicht die Konzentration an Milchsäurebakterien."
Prof. Dr. Knut Heller vom "Max-Rubner-Institut, Bundesforschungsinstitut für Mikrobiologie und Biotechnologie" in Kiel, stellte deutlich heraus, dass der von der Stiftung WARENTEST für ihren ‚Buttertest' eingebrachte Ausdruck ‚Nutzflora' als Qualitätsmerkmal nicht annehmbar sein kann!
Prof. Dr. Heller: "Da es weder eine Verordnung noch ein Gesetz gibt, dass sich über die Anzahl von Milchsäurebakterien in Sauerrahmbutter auslässt, ist diese Bewertung nicht nachvollziehbar und somit willkürlich. Im Übrigen bleibt unklar, was unter ‚Nutzflora' verstanden wird, bzw. verstanden werden soll."
In seiner Stellungnahme legte der Experte auch für Laien eindeutig dar, dass das von der Stiftung WARENTEST diesbezügliche Bewertungskriterium wissenschaftlich nicht haltbar sein kann!
Auch eine "Testgröße" eines ‚gesundheitsförderlichen' Nutzens durch Milchsäurebakterien in der Sauerrahmbutter lehnt Prof. Dr. Heller ab: "Über den Verzehr von Sauerrahmbutter als Brotaufstrich lassen sich keine signifikanten Mengen an lebenden Milchsäurebakterien aufnehmen, selbst dann, wenn Sauerrahmbutter 106 oder mehr KbE pro Gramm enthalten würde!"
Prof. Dr. Heller bei seiner Zusammenfassung: "Diese Gründe machen klar, warum der Gesetzgeber darauf verzichtet hat, Milchsäurebakterien-Keimzahlen für Sauerrahmbutter vorzugeben. Eine Funktion im Sinn einer ‚Nutzflora' ist für das fertige Produkt Sauerrahmbutter nicht gegeben."
Die Stiftung WARENTEST muss sich fragen lassen, inwieweit sie bei solchen, die Öffentlichkeit interessierenden Lebensmitteltests ein 100%iges Qualitätsmanagement sicherstellen kann, um Untersuchungsfehler und Fehlbeurteilungen zu vermeiden.
Kritisiert wird, dass die "WARENTEST-Tester auch nach Bekanntgabe der Tests anonym bleiben. Jede wissenschaftlich seriöse Untersuchung, jede qualifizierte, zertifizierte Labor-Untersuchung muss für ihre Mess-Ergebnisse nachprüfbar geradestehen. Seriöse Wissenschaftler geben heute an, woher ihr Wissen stammt, wer ihre Arbeit finanziert hat oder in welchem wirtschaftlichen Abhängigkeitsverhältnis sie sich befinden."
Die Andechser Molkerei erwartet nun, dass das Mannheimer Gericht am 14.10.2008 in der Anhörung der Parteien den nüchternen Fakten und Gutachten der Wissenschaftler folgen wird - bei allen zugestandenen journalistischen Freiheiten, Wissenschaftsdaten auch für die Öffentlichkeit verständlich darzustellen. Geschäftsführerin Barbara Scheitz: "Wir sind in jedem Fall für die Arbeit der Stiftung WARENTEST, aber auch für den verantwortungsvollen Umgang mit Messdaten und Bewertungen, denn Fehlbeurteilungen verursachen möglicherweise erhebliche Beschädigungen bei Verbrauchern und Herstellern!"
Geschäftsführer Michael Brandl vom MIV erwartet, dass das aktuelle Beispiel dazu führt, dass die Arbeits- und Darstellungsweise der Stiftung WARENTEST wieder kritisch hinterfragt wird und Konsequenzen gezogen werden für eine qualitative Verbesserung. "Der MIV ist gerne bereit, aktiv daran mitzuwirken. Dies liegt im Interesse aller Beteiligten."
Der Milchindustrie-Verband e.V. (MIV) repräsentiert mehr als 100 leistungsstarke, mittelständische Unternehmen. Diese stellen mit einem Jahresumsatz von rund 22 Milliarden Euro den größten Bereich der deutschen Ernährungsindustrie dar.
Kontakt:
Milchindustrieverband e.V. (MIV)
Michael Brandl
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