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19.01.2012
Kartellamtsbericht: Milchindustrie zur Sektoruntersuchung Milch

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Offener Brief der Milchindustrie an Bundesminister Seehofer
Berlin, 11. Juni 2008 - Die deutsche Milchindustrie hat im Zusammenhang mit den Demonstrationen und den Milchliefer-boykotten heute den nachstehenden offenen Brief an Bundes-minister Seehofer übersandt.

Sehr geehrter Herr Bundesminister,
verehrter Herr Seehofer,

die Demonstrationen und Milchlieferboykotte tausender Landwirte in ganz Deutschland haben die Aufmerksamkeit vieler Millionen Bürger und Verbraucher in unserem Land auf ein Problem gelenkt, auf das die Milchindustrie seit langem immer wieder hingewiesen hat:

- den immer massiveren Druck eines globalisierten Marktes auf die regionale, mittelständische Milchindustrie sowie, damit einhergehend,

- den immer massiveren Druck des heimischen Handels auf das Preisgefüge in den Milchregalen.

Im Effekt hat dies dazu geführt, dass Tausende kleiner und mittlerer landwirtschaftlicher Betriebe unrentabel wurden und selbst die größeren unter den Milcherzeugerbetrieben erhebliche Schwierigkeiten haben, sich angesichts der derzeitigen, am Markt erzielbaren Rohmilchpreise zu behaupten.

Die deutsche Milchindustrie hat sich lange vor Beginn der Demonstrationen und Boykottaufrufe der Milchbauern massiv für höhere Preise für Milchprodukte eingesetzt. Im Herbst 2007 hat sich gezeigt, dass sie dies – bei entsprechenden Marktgegebenheiten (knappes Angebot - hohe Nachfrage) – auch erreichen konnte.

Vertreter der deutschen Milchindustrie waren, wie Sie wissen, an vorderster Front mit dabei, als es in der vergangenen Woche auf dem Höhepunkt der Protestaktionen der Landwirte angesichts eingetretener Millionenschäden und drohender Versorgungs-engpässe darum ging, schnell eine Lösung für die Landwirte zu finden, die gleichzeitig von den Verbrauchern mitgetragen werden kann.

Ihre zunächst signalisierte Bereitschaft hieran mitzuwirken, haben wir dankbar angenommen.

Umso mehr müssen wir heute unsere Irritation und unser tiefes Befremden darüber zum Ausdruck bringen, dass die Politik auf halbem Weg stehen geblieben und bislang weder ihrer Verantwortung gegenüber den deutschen Landwirten, noch gegenüber der deutschen Milchindustrie und den deutschen Verbrauchern gerecht geworden ist.

Seit Donnerstag letzter Woche haben Sie in mehreren öffentlichen Stellungnahmen den Eindruck erweckt, das Problem zu niedriger Erzeugerpreise am deutschen Milchmarkt sei gelöst.

Tatsächlich aber hatte nur eine einzige Einzelhandelskette verbindlich angekündigt, die Preise für genau zwei Produkte (Milch und Butter) um 10 Cent bzw. 20 Cent anzuheben.

So wenig aber wie eine einzige Schwalbe einen Sommer macht, verändert die selektive Preisanhebung einer einzigen Handelskette die existenzielle Situation unserer heimischen Milchwirtschaft. Noch dazu, so lange es sich lediglich um die Preisanhebung bei zwei Produkten handelt, womit weniger als 14% des Gesamt-marktes an Milchprodukten in Deutschland abgedeckt sind.

Heute, weniger als eine Woche nach der von Ihnen propagierten "Lösung des Milchkampfes", ist die Zusage eines Teils des deutschen Einzelhandels, die Preise für Milchprodukte zu erhöhen, bereits wieder revidiert - lange bevor sie in den Milchregalen umgesetzt werden konnte und noch länger bevor sie bei der deutschen Milchindustrie und den deutschen Milchbauern angekommen wäre.

Solange die Entschlossenheit und die Durchsetzungskraft für nachhaltige, strukturelle Veränderungen fehlt, wird sich die regionale, mittelständische Milchwirtschaft den Gesetzen eines globalen Marktes unterwerfen müssen.

Sollte aber die politische Entschlossenheit und der Wille zur Durchsetzung veränderter Strukturen noch lange auf sich warten lassen, wird es die regionale Milchwirtschaft in der heutigen Form in Deutschland bald nicht mehr geben, sehr verehrter Herr Minister.

Der Handel - das zeigt sich spätestens seit der Rücknahme seiner wohlfeilen Ankündigungen binnen weniger Stunden - wird ohne ein deutliches politisches Wort und eine konsequente politische Haltung nicht zu einem Beitrag für die Mitgestaltung eines neuen deutschen Milchmarktes zu bewegen sein.

Die Mehrheit der Verbraucher zeigt Dank der intensiven Aufklärung seitens der deutschen Milchwirtschaft Verständnis und ist zur Zahlung höherer Preise für deutsche Qualitätsprodukte im Milchregal bereit.

Und die Milchindustrie erklärt noch einmal, was sie schon lange vor Beginn der Demonstrationen verbindlich zugesagt hat: Jeder Cent, der vom Handel mehr eingenommen wird, geht direkt an die Milchbauern weiter.

In diesem Sinne appellieren wir an Sie, sehr verehrter Herr Bundesminister Seehofer:

- Nehmen Sie Ihre Verantwortung ernst und führen Sie eine Politik der aufrichtigen und vollumfänglichen Information.

- Stehen Sie offen und uneingeschränkt zur Notwendigkeit höherer Preise für alle heimischen Milchprodukte.

- Setzen Sie sich konsequent und unnachgiebig dafür ein, dass der gesamte deutsche Handel ein neues, dem Wert der Milchprodukte angemesseneres Preisgefüge am Markt durchsetzt.

- Unterstützen Sie die deutsche Milchindustrie bei ihrem Bemühen, faire Preise am Markt zu erzielen und die Zukunft der deutschen Milchwirtschaft zu sichern.

- Der Milchindustrie-Verband war und ist jederzeit zu Gesprächen und Verhandlungen bereit.

Die Situation indes erlaubt es nicht, einen 'Milchgipfel' wie von Ihnen vorgeschlagen, erst wochenlang vorzubereiten, um ihn dann Ende Juni medienwirksam stattfinden zu lassen.

Die Situation erfordert vielmehr unverzügliches Handeln - und genau diesbezüglich setzen wir auf Ihre Unterstützung, verehrter Herr Bundesminister.

Hochachtungsvoll,

Milchindustrie-Verband e. V.
Dr. Karl-Heinz Engel
- Vorsitzender -



Der Milchindustrie-Verband e.V. (MIV) repräsentiert mehr als 100 leistungsstarke, mittelständische Unternehmen. Diese stellen mit einem Jahresumsatz von rund 22 Milliarden Euro den größten Bereich der deutschen Ernährungsindustrie dar.


Kontakt:

Milchindustrie-Verband e.V.

Michael Brandl
Jägerstrasse 51
Tel: 030 4030445-31
Fax: 030 4030445-57
Mobil: 0171-7337445
Mail: michael.brandl@milchindustrie.de

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