Berlin, 23. Januar 2008 – Nach einem turbulenten Jahr 2007 für die Milchwirtschaft blickt die deutsche Milchindustrie nach Auffassung des Milchindustrie-Verbandes (MIV) verhalten optimistisch nach vorne. Erstmals bekamen alle Marktbeteiligten in Form von sich stark ändernden Milchauszahlungspreisen deutlich die Chancen und Risiken zu spüren, die das freie Spiel der Marktkräfte mit sich bringen kann. Derzeit liegen die Auszahlungs-preise im Schnitt um rd. 46 Prozent über den Vorjahreswerten. Damit sind die verbesserten Markterlöse in vollem Umfang bei den Milcherzeugern angekommen. Auch die Verbraucher haben zwischenzeitlich die neuen Preise für Milcherzeugnisse akzeptiert, der Konsum von Molkereierzeugnissen bewegt sich mittlerweile wieder in altbekannten Größenordnungen.
Festzuhalten ist, dass es im europäischen Umfeld die deutschen Molkereien waren, die schnellstmöglich auf die günstigeren Marktverhältnisse in Form von höheren Milchpreisen für die Erzeuger reagiert haben. "Auch bei bestehenden Strukturen in der deutschen Molkereiwirtschaft konnte im abgelaufenen Kalenderjahr ein überdurchschnittlicher Milchpreis für die Milcherzeuger erzielt werden, der sogar im Anstieg höher lag als in den Nachbar-staaten", stellt der MIV-Vorsitzende Dr. Karl-Heinz Engel am Rande der Grünen Woche in Berlin fest. Dennoch sieht er auch die Notwendigkeit für die Unternehmen, den Weg der verbesserten Positionierung sinnvoll und konsequent weiter zugehen: Es gilt, so der MIV-Vorsitzende, die Möglichkeiten auf den globalisierten Märkten zu nutzen und die zunehmende Volatilität der Märkte, bedingt durch den Rückzug der Politik aus der Marktverwaltung, besser abfedern zu können. "Die jüngsten Bestrebungen der beiden großen holländischen Molkereien sind ein deutliches Signal", so Dr. Engel, "Zum Nulltarif kann es aber derartige Strukturmaßnahmen nicht geben." Die deutsche Milchindustrie erinnert deshalb die Milcherzeuger daran, nicht nur Strukturmaßnahmen einzufordern, sondern auch bereit zu sein, derartige Schritte sowohl finanziell als auch mental aktiv mitzugehen. Kooperationen und Fusionen kosten zunächst Geld, sind aber als Investition zur Zukunftssicherung erforderlich, stellt der MIV fest.
Dieses gemeinsame Verständnis bei allen Gliedern der Wertschöpfungskette zu schaffen, hält die deutsche Milchindustrie für erfolgversprechender, als die derzeitigen Bemühungen der bäuerlichen Seite, durch die Bündelung des Rohstoffes Milch in unterschiedlichsten Organisationsformen, Milchpreise zu steigern oder gar global funktionierende Märkte steuern zu wollen. "Die Preisverbesserungen in 2007 kamen aus den weltweiten Märkten und haben nicht danach gefragt, wie viele Milchbauern in Milcherzeugergemeinschaften oder Milchboards zusammen-geschlossen sind" so Dr. Engel, "und auch künftig werden die Märkte das Auf und Ab der Milchpreise bestimmen"
Deshalb sollten nach Ansicht des Milchindustrie-Verbandes alle Marktbeteiligten langfristig denken und die gemeinsame Energie auf die Erschließung und Absicherung von Märkten bzw. Marktpositionen zu setzen. Hierzu bedarf es auch einem neuen unternehmerischen Verständnis bei Milcherzeugern, welches sich an Realitäten und nicht an unerfüllbaren Wünschen orientieren sollte. Die deutsche Milchindustrie hat in der Vergangenheit durchaus bewiesen, dass sie die Herausforderungen erkannt und aktiv angegangen hat.
Der Milchindustrie-Verband e.V. (MIV) repräsentiert mehr als 100 leistungsstarke, mittelständische Unternehmen. Diese stellen mit einem Jahresumsatz von rund 21 Milliarden Euro den größten Bereich der deutschen Ernährungsindustrie dar.
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