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19.01.2012
Kartellamtsbericht: Milchindustrie zur Sektoruntersuchung Milch

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Milch-Politikreport: Oktober 2004
Schwerpunktthema: Strukturwandel und Wettbewerb

In dieser Ausgabe des Milch-Politikreports wollen wir Ihnen die deutsche Milchindustrie als einen leistungsstarken Wirtschaftszweig der ländlichen Räume vorstellen, der im Spannungsfeld zwischen Globalisierung und EU-"Planwirtschaft" vor großen Herausforderungen steht. Die Unternehmen der deutschen Milchindustrie sind Aushängeschilder des erfolgreichen Mittelstandes, der sich auch im internationalen Wettbewerb behaupten muss.

Wir freuen uns besonders, dass sich Peter Rauen MdB, der Vorsitzende der CDU/CSU-Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung und Mitglied des Vorstands der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, in seinem Kommentar diesem Thema widmet.

Toni Meggle
Vorsitzender des
Milchindustrie-Verbandes



SCHWERPUNKTTHEMA:
Die Versorgerbranche Milchindustrie als Wirtschaftsfaktor: stabil, innovativ und international

MILCHINDUSTRIE IM PROFIL
Die deutsche Milchindustrie mit ihren rund 120 Unternehmen erwirtschaftet nicht nur einen Umsatz von mehr als 20 Mrd. Euro, sondern ist auch Arbeitgeber für über 36.000 Beschäftigte in ca. 240 Betriebsstätten. Damit ist die Milchindustrie der stärkste Zweig in der deutschen Ernährungsindustrie. Mit einer Exportquote von rund 20 % ist die Milchindustrie ebenfalls an der Spitze und zeigt ihre Wettbewerbsfähigkeit.

PRODUKTE
Die deutsche Milchindustrie verarbeitet jährlich 27 Mrd. kg Milch von den heimischen Bauern u.a. zu 6 Mio. t Trinkmilch, 450.000 t Butter, 1,8 Mio. t Käse und 1,3 Mio. t Joghurt, aber z.B. auch zu Spezialprodukten für Kosmetika, Arzneimittel oder für maßgeschneiderte Ernährungsanforderungen (Diät-, Baby-, Altennahrung etc.). Aufgrund des gesellschaftlichen Wandels gewinnt die Versorgung mit Molkereiprodukten im Außer-Haus-Bereich (Gastronomie, Kantinen u.ä.) oder Convenience-Produkten für die schnelle Küche zunehmend an Bedeutung. Insgesamt ist ein leichtes Absatzwachstum im Inlandsverbrauch festzustellen. Allerdings: Nirgendwo in Europa sind Milchprodukte billiger als in Deutschland!

ENORMER STRUKTURWANDEL
In den vergangenen Jahren hat die deutsche Milchindustrie einen deutlichen Strukturwandel vollzogen. Seit den sechziger Jahren hat sich alle 10 Jahre die Zahl der Molkereien etwa halbiert. Die seit 2000 eingeleitete Agrarreform wird diesen Prozess sicher noch beschleunigen. Diese Allianzen und Fusionen werden zukünftig notwendig sein, um v.a. international wettbewerbsfähig zu bleiben.


WIRTSCHAFTSMOTOR IN DER REGION
Betriebe der Milchindustrie bilden insbesondere in ländlichen und strukturschwächeren Regionen das Rückgrat der dortigen Wirtschaft. Häufig sind die Molkereien vor Ort der größte Arbeitgeber und Ausbilder, insbesondere für hochqualifizierte Fachkräfte.

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Aufgrund der strukturellen Überschusslage in der EU und auch in Deutschland, ist unsere Milchindustrie dringend auf gute Exportgeschäfte angewiesen: Jeder fünfte Umsatz-Euro wird im Ausland erwirtschaftet. Das regionale Wachstum hängt somit eng vom dem Erfolg internationalen Handelns ab.


INNOVATION – VIELFALT FÜR ALLE
Das Innovationstempo in der Milchindustrie ist hoch, die Investitionen in Forschung und Entwicklung dementsprechend. Deshalb schafft es die Milchindustrie selbst in gesättigten Märkten, immer wieder Wachstumspotenziale zu erschließen. Jährlich kommen fast 250 Neuerungen an Milchprodukten auf den Markt. Aus der nahezu unendlichen Vielfalt im Kühlregal des Handels kann der Verbraucher somit zwischen den Produkten seiner Wünsche und seinen Ernährungsanforderungen frei auswählen.

PERSPEKTIVEN UND FORDERUNGEN
Die Wettbewerbssituation für die Milchindustrie wird auf allen Ebenen noch schärfer: die Macht von Handel und Discounter steigt weiter, die TOP 5 des deutschen Lebensmitteleinzelhandels werden demnächst mehr als 80 % des Umsatzes auf sich vereinen. NoName - Handelsmarken erlangen mit bis zu 60 % bei einigen Molkereiprodukten riesige Marktvolumen und damit eine große Abhängigkeit der Lieferanten. Die Politik gibt zwar die Rahmen-bedingungen vor, zieht sich aber immer mehr aus der Markt-verantwortung zurück.

Gleichzeitig wächst der weltweite Milchmarkt weiter stabil um
ca. 2 % jährlich. Die größten Zuwächse versprechen die Regionen Asiens und Osteuropas, allerdings sind dort auch starke Wettbewerber, wie z.B. Neuseeland, mit niedrigen Preisen aktiv. Hier liegen zwar die größten Absatzpotenziale der deutschen Milchindustrie, aber die Politik muss ihren Beitrag leisten, damit die Milchindustrie in Zukunft auch erfolgreich agieren kann. Die politisch gewollte zunehmende Weltmarktorientierung bedarf – so eine zentrale Forderung der deutschen Milchindustrie – der Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Nur so kann die Milchindustrie mit den vor- und nachgelagerten Bereichen ihre Kraft als Wirtschaftsfaktor der ländlichen Regionen in Deutschland voll entfalten.

Weltmarkt-Export der wichtigsten Ausfuhrländer in Milchäquivalent (2003)
Weltmarkt-Export der wichtigsten Ausfuhrländer in Milchäquivalent (2003)
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GASTBEITRAG
von Peter Rauen, MdB,
Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU und CSU und Mitglied im Vorstand der CDU/CSU-Bundestagsfraktion


Peter Rauen, MdB
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Der Begriff "Reform" verkommt immer mehr zum Unwort. Jeder zaghafte Ansatz den Reformstau aufzulösen, endet im Chaos und Zurückrudern. Statt den Umbau beherzt voranzubringen, lenken besonders die Bremser im Regierungs- und Gewerkschaftslager Deutschland weiter auf den Standstreifen und zwar im Rückwärtsgang. Unternehmer sind tagtäglich, auch mit unvorhersehbaren Situationen konfrontiert. Würden sie sich verhalten wie die Regierenden in Berlin, wären sie keine Unternehmer, sondern Unterlasser.

Niemand erwartet Schnellschüsse, sondern durchdachte Konzepte für einen wirtschaftlichen Befreiungsschlag. Trauen wir den Unternehmern im Land mehr zu als nur Steuern zu zahlen. Nehmen wir sie uns zum Vorbild für politisches Handeln.

Wer als Chef zu lange zögert und zaudert, kann schon bald das Licht als Letzter ausmachen. Düster, das sind auch die Prognosen für unseren Wirtschafts- und Sozialstandort. Konjunkturtal, Insolvenzwelle, Beschäftigungsabbau, es ist schon viel zu viel kostbare Struktur zerstört worden. Wir müssen umsteuern. Mit einem Kernziel: Arbeit in Deutschland wieder bezahlbar zu machen. Nur so haben insbesondere der Mittelstand und seine Mitarbeiter weiterhin eine Chance.

Für den erfolgreichen Konter hin zu mehr Wachstum und Beschäftigung muss die Politik so agieren wie Unternehmer: innovativ denken und zupacken. Und zwar in der Steuer-, Finanz-, Wirtschafts-, Sozial-, Bildungs- und Energiepolitik. Die soziale Sicherung muss dringend vom Faktor Lohn entkoppelt und in Prämiensysteme überführt werden. Das Steuersystem ist zu vereinfachen und zu entrümpeln. "Niedrige Steuersätze statt Steuerschlupflöcher" ist dabei Maxime. Zudem müssen alle wieder mehr und länger arbeiten, auf die Woche, das Jahr und das Leben bezogen.

Nur mit mutigem und kraftvollem Gegensteuern verhindern wir ungeahnte Wohlstandsverluste.

Peter Rauen MdB
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Wie erwartet hat der Milchmarkt zum Jahreswechsel etwas geschwächelt