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19.01.2012
Kartellamtsbericht: Milchindustrie zur Sektoruntersuchung Milch

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Milch-Politikreport: Juli 2005
Schwerpunktthema: Milchindustrie als Wirtschaftsmotor

Mit dieser Ausgabe des Milch-Politikreports wollen wir die Tradition regelmäßiger Newsletter des Milchindustrie-Verbandes (MIV) an Interessierte aus Politik und Wirtschaft fortsetzen. Unser Ziel ist es, über sachliche Informationen den Boden für gemeinsame Lösungsansätze zur Bewältigung wirtschaftlicher und politischer Probleme zu bereiten.

Gleichzeitig wollen wir aber auch auf die besonderen, oft nicht oder nur unzureichend bekannten Leistungen einschließlich der damit verbundenen Herausforderungen der deutschen Milchindustrie aufmerksam machen.



DER MILCHINDUSTRIE-VERBAND

Der MIV vereint alle namhaften Unternehmen der deutschen Milchindustrie. Zu seinen ca. 80 Mitgliedern zählen private, genossenschaftliche und multinationale Molkereien. Insgesamt werden von den deutschen Molkereien 27,5 Millionen Tonnen Milch pro Jahr verarbeitet. Die gesamte Branche setzt dabei rund 20 Milliarden Euro um und ist somit eine der umsatzstärksten der deutschen Ernährungsindustrie.

Über sein Büro in Brüssel unterhält der MIV enge Kontakte in die europäische Politik-Szene. Durch die aktive Gremienarbeit ist der MIV auch in zahlreichen europäischen und internationalen Organisationen der Milch- und Ernährungswirtschaft integriert.

Wenn Sie Fragen oder Anregungen haben, zögern Sie bitte nicht, sich an uns zu wenden. Wir freuen uns auf den Dialog mit Ihnen.

Toni Meggle
Vorsitzender des
Milchindustrie-Verbandes



STARK, WO ANDERE DEN RÜCKZUG ANTRETEN
Die Milchindustrie – Wirtschaftsmotor im ländlichen Raum

Wirtschaftskrise – seit Jahren kämpft die deutsche Wirtschaft um Anschluss im globalen Wettbewerb. Besonders betroffen ist das produzierende Gewerbe und damit auch der ländliche Raum. Kleine und mittelständische Unternehmen, das traditionelle Rückgrat ländlicher Regionen, sehen sich mit zunehmenden Schwierigkeiten durch den globalisierungsbedingten Kosten- und Innovationsdruck konfrontiert.

Der Wegfall hochqualifizierter Arbeitsplätze führt zu weiteren sich gegenseitig verstärkenden Problemen: Die Jungen, gut Ausgebildeten und Leistungsfähigen ziehen aus den ländlichen Regionen weg, die Überalterung der Gesellschaft nimmt zu, die Kaufkraft sinkt, wichtiges Kapital fließt ab und die Zahl der Arbeitsplätze geht zurück.

Sehr deutlich werden diese Probleme in Ostdeutschland. Seit der Wende haben nur wenige Industriezweige durch konsequente Investitionen und Modernisierungen Jobs erhalten oder gar neu geschaffen. Veraltete Produktionsstätten mit zumeist hohem Arbeitskräftebedarf mussten geschlossen oder nach Effizienzkriterien umstrukturiert werden. Die Folge: Massenentlassungen vor allem im produzierenden Gewerbe, Bevölkerungsrückgang in der Fläche und wirtschaftliche Krisenstimmung in nahezu allen Wirtschaftsbereichen.



DIE MILCHINDUSTRIE ALS STANDORTGARANT
Die deutsche Molkereiwirtschaft ist einer der wenigen Industriezweige, die trotz alledem in den ländlichen Regionen aktiv ist. Zwar hat auch die Milchindustrie in Folge der schlechten konjunkturellen Lage sowie der geänderten agrarpolitischen Rahmenbedingungen Rückgänge in Umsatz und Beschäftigtenzahl zu verkraften. Diese sind jedoch im Vergleich zu anderen Branchen gering. Im Jahr 2004 arbeiteten deutschlandweit 39.200 Beschäftigte in über 280 Betrieben.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Milchindustrie geht jedoch weit über Beschäftigtenzahlen und erzielte Umsätze hinaus. Vor allem das Angebot hochqualifizierter Arbeits- und Ausbildungsplätze macht die Milchwirtschaft zu einem wichtigen Zukunftsfaktor für den ländlichen Raum.

Eng verbunden mit der Milchindustrie ist die Existenz von mehr als 100.000 Milcherzeugern mit ihren Familien, die täglich den hochwertigen Rohstoff Milch bereitstellen.

Aber auch für eine Vielzahl vor- und nachgelagerter Branchen, wie dem Maschinenbau, der Entwicklung und Herstellung innovativer Verpackungen, dem Transport- und Logistikgewerbe bis hin zu den örtlichen Handwerksbetrieben, ist die Milchindustrie ein wichtiger Auftraggeber.



POLITISCHE RAHMENBEDINGUNGEN SICHERN
Der Erfolg der Milchwirtschaft hängt jedoch nicht allein von einer positiven Nachfrage und permanenter Produktinnovation ab. Die politische Rahmengestaltung hat in dem besonders stark regulierten Bereich der Ernährungsindustrie eine große Bedeutung. Nachstehend einige Beispiele:


  1. Für die Gewährleistung der Wettbewerbsfähigkeit vor allem der kleinen und mittelständischen Unternehmen ist eine maßvolle Liberalisierung des Arbeitsrechts und effizientere Gestaltung der sozialen Sicherungssysteme notwendig. Darüber hinaus kann eine Reform der Unternehmensbesteuerung eine wichtige Hilfe für die kleinen und mittelständischen Unternehmen sein.


  2. Die Verbraucherpolitik sollte sich an den bereits geltenden hohen Sicherheits- und Qualitätsstandards orientieren. Nationale Verschärfungen bringen keine Verbesserungen für die Verbraucher, sondern Wettbewerbsnachteile für die Unternehmen. Überzogene und praxisfremde bürokratische Regelungen tragen zu Effizienzverlusten und Kostensteigerungen im Vergleich zu anderen Ländern bei.


  3. Letztendlich muss ein ökonomisch sinnvolles Verhältnis zwischen Erzeuger- und Verkaufspreisen gewährleistet sein. Die aktuelle Tendenz zu Dumpingpreisen gerade bei Milch und Milchprodukten geht auf Kosten der Molkereien und damit auch der Milcherzeugerbetriebe – beides wichtige Faktoren für den ländlichen Raum.

Die Milchindustrie muss daher auch aus übergeordnetem Interesse in die Lage versetzt werden, künftig als wichtiger Wirtschaftsfaktor besonders im ländlichen Raum präsent sein zu können. Diese einmalige Position muss durch flankierende Maßnahmen der Politik abgesichert werden. Dabei stellen die vorgenannten Anregungen nur einen kleinen Ausschnitt der Möglichkeiten bzw. Problemfelder dar. Wir, die Milchindustrie, sind zum Dialog bereit.



KURZNACHRICHT
Protest gegen Billigmilch – Am Rande des diesjährigen Bauerntages protestierten Milchbauern am 21. Juni in Rostock gegen die Preispolitik von Lebensmittelketten. Discounter wie Aldi oder Lidl und Handelsketten wie real bieten immer wieder Milch zu Preisen an, die weit unter den Herstellungskosten liegen. Der MIV lehnt diese Schleuderpreisaktionen, die nicht nur materielle, sondern auch emotionale Werte für Lebensmittel vernichten, entschieden ab.

Die Dumpingpreis-Aktionen konterkarieren die Bemühungen der Milcherzeuger und Molkereien, beim Verbraucher das Verständnis für hochwertige Nahrungsmittel zu erhöhen. Darüber hinaus verhindern die Billigpreisaktionen kostendeckende Preise für Milchprodukte und gefährden damit Arbeitsplätze in der Milchindustrie.



GASTBEITRAG
von Dr. Hermann Onko Aeikens,
Staatssekretär im Landesministerium für Landwirtschaft und Umwelt in Sachsen-Anhalt



Die Landwirtschaft hat ein großes Gewicht in Sachsen-Anhalt. Zwei Drittel der Bodenfläche sind landwirtschaftliche Nutzfläche. Die Altmark und die Elbaue sind bekannt durch die traditionelle Viehzucht. Von hier gingen bereits vor 100 Jahren bedeutende Impulse für die Milchwirtschaft in ganz Deutschland aus. In dieser Region befindet sich auch das Zentrum für Tierhaltung und Technik der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau in Iden.

An diese Traditionen konnte Sachsen-Anhalt insbesondere in der Milchleistung anknüpfen. Die Milchleistung sachsenanhaltischer Milchkühe liegt im Landesdurchschnitt über 8.000 kg. Damit belegt das Land den zweiten Platz im Leistungsvergleich aller Bundesländer.

Die Land- und Ernährungswirtschaft haben in Sachsen-Anhalt die Umbrüche seit der Wende gut gemeistert. Es haben sich zukunftsfähige Betriebsgrößen und Strukturen gebildet. Die Anzahl der Milchkuh haltenden Betriebe beträgt 801. Mit einem Bestand von 139.979 Kühen hat sich die durchschnittliche Bestandsgröße auf 175 Kühe erhöht.

Im Jahr 2004 hat sich die Europäische Union auf 25 Mitgliedsstaaten erweitert, mit einem Zuwachs von 75 Millionen Konsumenten. Auf den erweiterten Binnenmarkt reagierte der Milchmarkt stabil. Die Osterweiterung sowie die steigende Nachfrage bei hochwertigen Lebensmitteln in der südostasiatischen Region eröffnen die Möglichkeit neuer Handelsströme und werden deshalb als Entwicklungsmöglichkeit gesehen. Die Lage am Weltmarkt wird positiv eingeschätzt, woraus die Erwartung einer Entlastung am EU–Markt erwächst.

Das Jahr 2005 ist auch durch ein sich rasch änderndes politisches und wirtschaftliches Umfeld gekennzeichnet. Die Agrarreform hat deutliche Auswirkungen auf die Milchproduktion. Die ersten Reformschritte führten 2004 zu Einschnitten bei den Milchauszahlungspreisen: Infolge der seit 1. Juli 2005 wirksamen weitergehenden Interventionspreissenkung bei Butter und Magermilchpulver werden künftig stärkere Preisschwankungen erwartet.

An die Molkereien in Sachsen–Anhalt wurden 2004 insgesamt 928.839 t Milch von Erzeugern aus Sachsen–Anhalt und aus anderen Bundesländern geliefert. Die Molkerei- und Käsereiwirtschaft des Landes umfasst 18 Unternehmen. Im Jahr 2004 wurde ein Milchauszahlungspreis von 27,91 Cent/kg realisiert, ergänzt durch die Milchprämie in Höhe von 1,182 Cent / kg Milchquote. Mit einem aktuellen Milchpreis von 26,90 Cent / kg liegt das Land Sachsen–Anhalt im Monat April noch über dem Durchschnittspreis aller Bundesländer, der für Erzeuger deutschlandweit jedoch unbefriedigend ist.

Die seit dem Börsentermin am 01.07.2004 stark angestiegene und sich auf hohem Niveau einpegelnde Nachfrage nach Anlieferungs-Referenzmengen wird in Sachsen-Anhalt als Ausdruck dafür beurteilt, dass sich diese Unternehmen optimistisch den geänderten Marktbedingungen stellen und auch für die Zukunft weitere Entwicklungschancen für ihre Unternehmen sehen.

Wie wird sich nun die Agrarreform auf die Ernährungswirtschaft letztendlich auswirken? Auch hier ist natürlich die Marktentwicklung von entscheidender Bedeutung und eine schwierige Phase des Übergangs kann nicht ausgeschlossen werden.

Nur durch eine Wandlung können wirtschaftlich wettbewerbsfähige Strukturen für die Milcherzeugung erhalten werden – diese sind die Grundlage für den Fortbestand einer leistungsfähigen Molkereiwirtschaft. Ich bin optimistisch, dass uns das in Sachsen-Anhalt gelingen wird.

Dr. Hermann Onko Aeikens




KURZNACHRICHT
Streit um "Feta"-Bezeichnung – Die Auseinandersetzung über die Verwendung des Namens "Feta" spitzt sich weiter zu. Deutschland und Dänemark vertreten die Auffassung, "Feta" sei eine Gattungsbezeichnung für Käse ohne regionalen Bezug. Griechenland ist dagegen der Meinung, die Bezeichnung "Feta" könne nur für griechischen Käse gelten. Im Rahmen des Verfahrens vor dem Europäischen Gerichtshof folgte Generalanwalt Colomer in seinen Schlussanträgen der griechischen Argumentation.

Der MIV kritisiert die Schlussanträge, da sie entscheidende Argumente nicht berücksichtigen. Zum Beispiel wurde im deutsch-griechischen Vertrag von 1964 über den Schutz von Ursprungsbezeichnungen "Feta" ausdrücklich nicht als Bezeichnung für Griechenland reserviert. Die Position von Generalanwalt Colomer ist für den Gerichtshof nicht bindend. Ein abschließendes Urteil ist bis Jahresende zu erwarten.
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Wie erwartet hat der Milchmarkt zum Jahreswechsel etwas geschwächelt