Schwerpunktthema: Ernährung und Bewegung
Heute halten Sie die erste Ausgabe des Milch-Politikreports in den Händen. Der Milch-Politikreport wird vom Milchindustrie-Verband (MIV) herausgegeben. In regelmäßigen Abständen werden wir Sie über politisch und gesellschaftlich relevante Entwicklungen aus dem Bereich der Milchwirtschaft informieren und damit eine Schnittstelle zwischen Politik, Gesellschaft und Milchindustrie sein. Die Palette der Themen wird dabei so breit sein wie die Vielfalt unserer Produkte. In jeder Ausgabe finden Sie einen thematischen Schwerpunkt - in dieser Ausgabe "Ernährung und Bewegung" -, Nachrichten, Personalien und einen Gastkommentar.
Wir freuen uns besonders Frau Künast, Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, als Gastkommentatorin zum Thema für die erste Ausgabe gewonnen zu haben.
DER MILCHINDUSTRIE-VERBAND
Der MIV vereint alle namhaften Unternehmen der deutschen Milchindustrie. Zu seinen ca. 80 Mitgliedern zählen private, genossenschaftliche und multinationale Molkereien. Insgesamt verarbeiten sie 24 Millionen Tonnen Milch, das sind rund 90% der deutschen Milchanlieferung. Die gesamte Branche setzt dabei rund 20 Milliarden Euro um und ist somit eine der umsatzstärksten der deutschen Ernährungsindustrie. Über sein Büro in Brüssel unterhält der MIV enge Kontakte in die europäische Politik-Szene und ist auch in zahlreichen europäischen und internationalen Organisationen der Milch- und Ernährungswirtschaft integriert.
Wenn Sie Fragen oder Anregungen haben, zögern Sie bitte nicht, sich an uns zu wenden. Wir freuen uns auf den Dialog mit Ihnen.
Toni Meggle
Vorsitzender des
Milchindustrie-Verbandes
SCHWERPUNKTTHEMA:
ERNÄHRUNG UND BEWEGUNG
URSACHE VON ÜBERGEWICHT: LEBENSSTIL
Weltweit ist Übergewicht heute ein Hauptrisikofaktor für gesundheitliche Probleme, schon bei Kindern.
Übergewicht entsteht vor allem durch eine unausgewogene Energiebilanz. Die Energieaufnahme ist der modernen bewegungsarmen Lebensweise nicht mehr angepasst und umgekehrt.
Um Übergewicht vorzubeugen sind deshalb alle Einflussgrößen auf den Lebensstil zu berücksichtigen. Diese umfassen u.a. stärkere körperliche Aktivität, adäquates Ernährungsverhalten und Veränderungen im sozialen und familiären Umfeld. Nur durch eine enge Zusammenarbeit von Eltern, Kindertagesstätten, Schulen, Politik und Lebensmittelwirtschaft kann diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe bewältigt werden. Die Plattform "Ernährung und Bewegung" ist ein richtiger Schritt in diese Richtung.
MILCH IN DER ERNÄHRUNG
Milch ist unerlässlicher Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung, sie steht bei Kindern und Jugendlichen hoch im Kurs. Seit langem bietet die Milchindustrie Milchprodukte in verschiedenen Fettgehaltsstufen von "mager" bis "Sahne" an. So hat der Verbraucher heute bereits durch die Fülle unterschiedlich zusammengesetzter Milchprodukte die Möglichkeit, sich gesund und kalorienbewusst zu ernähren.
Es besteht heute ein Trend zu fettarmer Konsummilch, fettarmem Joghurt sowie fettärmeren Käseprodukten. Die Energiedichte von Milchprodukten liegt ohnehin im unteren Bereich der von Kindern und Jugendlichen verzehrten Lebensmittel, wie die DONALD-Studie belegt. Anders als bei anderen Lebensmitteln ist für sämtliche Milchprodukte heute schon eine Fettgehaltsdeklaration vorgeschrieben.
MILCH ALS VITAMIN- UND MINERALSTOFFLIEFERANT
Das Forschungsinstitut für Kinderernährung stellte in der DONALD-Studie bei Kindern und/oder Jugendlichen eine nicht ausreichende Deckung der empfohlenen Zufuhr bei Calcium, Jod, Vitamin A, Vitamin E, Vitamin B1 und Vitamin B6 fest. Als Hauptlieferant für diese Komponenten werden Milch und Milcherzeugnisse benannt. Das zeigt den hohen Stellenwert dieser Produkte in der Ernährung. Wissenschaftliche Studien zeigen zudem, dass ein körpergewicht-reduzierender Effekt bei ausreichender Aufnahme von Calcium durch Milchkonsum (Prof. Schrezenmeir, Wissenschaftlicher Beirat des MIV, 2003) besteht.
BEDINGUNGEN VERBESSERN
Um die Versorgung der Kinder auch in Schulen mit gesunden Milchprodukten zu verbessern, empfiehlt der MIV z.B. eine Ausweitung der förderfähigen Produkte auf Milchmischgetränke, Molkedrinks, Sauermilchprodukte u.ä. Darüber hinaus hält die deutsche Milchindustrie insbesondere Aktivitäten zu mehr Bewegung in Verbindung mit einer ausgewogenen Ernährung für richtig. Die Milchindustrie selbst nimmt ihre Verantwortung für eine gesunde Ernährung von Kindern und Jugendlichen schon immer sehr ernst. Mit der breiten und hochwertigen Produktpalette von Milchprodukten leistet sie hierzu einen wesentlichen Beitrag.
K U R Z N A C H R I C H T E N
Kein Übergang von Gentechnik in Milch – Die Umweltorganisation Greenpeace hatte fälschlicherweise den Eindruck erweckt, dass Gentechnik über die Fütterung in die Milch gelangen würde. Dies entspricht nicht den Tatsachen, wie das Landgericht Köln mit seinem Urteil vom 23. Juni 2004 feststellte. Greenpeace wurde u.a. untersagt, den Begriff "Gen-Milch" zu verwenden. Das Gericht unterstreicht, dass Greenpeace Tatsachenbehauptungen aufgestellt hat, "die unbestrittener wissenschaftlicher Kenntnis zuwiderlaufen und damit evident falsch sind." In der Urteilsbegründung heißt es, dass "nach unumstrittener wissenschaftlicher Erkenntnis der Einsatz gentechnisch manipulierter Futtermittel nicht zur Veränderung der Milch führt". Greenpeace kann Berufung einlegen.
Der MIV begrüßt die gerichtliche Entscheidung, da nunmehr Verbraucher nicht weiter durch unzutreffende Behauptungen von Greenpeace verunsichert werden. Die Milchindustrie wünscht sich bei der Diskussion um Gentechnik insgesamt mehr Sachlichkeit.
Workshop für Referenten der Landesvertretungen – Die für Ernährung/Milchwirtschaft zuständigen Referenten der Landesvertretungen in Berlin werden im Herbst in der bayerischen Landesvertretung zu einem vom MIV organisierten Workshop zusammentreffen. Thema des Workshops sind die Chancen und Risiken der Milchindustrie nach der EU-Osterweiterung.
ANSPRECHPARTNER
DIE MIV-GESCHÄFTSSTELLE
Der MIV ist der führende Verband der Milchindustrie. Er stellt seinen Mitgliedern ein breites Dienstleistungsprogramm zur Verfügung. Neben der Untergliederung in produktbezogene Fachgruppen spielt die übergreifende Beratung in allen Fragen eine wichtige Rolle. Dazu zählen z. B. Agrarpolitik und Markt, Export, Recht und Qualität, Wissenschaft und Forschung, Tarifwesen, Sozialpolitik, Verpackung, Umwelt und Logistik.
Mehr Infos unter:
www.milchindustrie.de
Schauen Sie doch mal rein und fragen Sie uns, wenn's um Milch geht.
MIV-Büro in Brüssel
Die Europäische Union ist für die Milchindustrie sehr wichtig. Dies wird durch die Veränderungen und Chancen der EU-Osterweiterung noch verstärkt. Deshalb sind wir auch vor Ort in Brüssel vertreten.
GASTKOMMENTAR
von Renate Künast, Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft
Unser Lebensstil hat sich stark gewandelt. Auch Kinder und Jugendliche sind davon berührt. Andere Freizeitgestaltung und neue Freizeitangebote – vom Computerspiel bis zum Ganztagskinder-
programm im Fernsehen – führen dazu, dass Kinder und Jugendliche sich viel weniger bewegen. Gleichzeitig sind sie fast ständig mit Essensangeboten umgeben. Dabei verändert sich das Angebot an Essen immer mehr. Kalorienreiche Fast-Food-Angebote sind nahezu überall und jederzeit verfügbar und werden beworben.
Energiereiches Essen und wenig Bewegung – dieser Lebensstil bringt die Energiebilanz ins Ungleichgewicht. Nach Aussagen von Kinder- und Jugendärzten hat sich die Zahl der übergewichtigen Kinder bei den Schuleingangsuntersuchungen in den letzten 10 – 15 Jahren verdreifacht. Inzwischen ist jedes 5. Kind und jeder 3. Jugendliche übergewichtig.
Bei 7 bis 8 Prozent der Kinder und Jugendlichen erreicht das Übergewicht das Ausmaß einer Krankheit, sie leiden an Adipositas.
Übergewicht ist heute eine wesentliche Ursache für eine Vielzahl ernster Gesundheitsstörungen bei Kindern und Jugendlichen. Wir haben daher die Pflicht und Verantwortung zu handeln. Alle relevanten gesellschaftlichen Gruppen und Institutionen fordere ich auf, sich der am 25. Juni in Berlin gegründeten "Plattform Ernährung und Bewegung e. V." anzuschließen. Hier sollen möglichst viele Akteure aus allen gesellschaftlichen Bereichen – auch aus der Lebensmittelwirtschaft und aus dem Handel - zusammengebracht werden, um in der Bevölkerung, bei Eltern, Kindern und Jugendlichen ein nachhaltiges Bewusstsein für die Bedeutung von Ernährung und körperlicher Aktivität zu schaffen.
Renate Künast
Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft