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19.01.2012
Kartellamtsbericht: Milchindustrie zur Sektoruntersuchung Milch

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Milch-Politikreport: Dezember 2005
Schwerpunktthema: Ausbildung in der Milchindustrie

In dieser Ausgabe unseres Milch-Politikreports informieren wir Sie zum Thema "Ausbildung in der deutschen Milchindustrie". Als eine der umsatzstärksten Branchen der deutschen Ernährungswirtschaft wird die Milchindustrie ihrer Verantwortung gerecht und bildet jährlich junge Menschen in anspruchsvollen Berufen aus. Insbesondere in ländlichen, strukturschwachen Gebieten zählen Molkereien zu den wenigen Betrieben, die Jugendlichen eine Ausbildung und eine Zukunftsperspektive bieten. Damit sichern sie in der Region nicht nur hochqualifizierte Arbeitsplätze, sondern auch ein Stück gelebtes Gemeinwesen.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre des Newsletters. Bei Fragen oder Anregungen können Sie selbstverständlich jederzeit gern mit uns Kontakt aufnehmen.

Eberhard Hetzner
Vorsitzender und Hauptgeschäftsführer
Milchindustrie-Verband


IN EIGENER SACHE

Führungswechsel beim MIV – Eberhard Hetzner (62) ist neuer Vorsitzender des Milchindustrie-Verbandes. Er tritt die Nachfolge von Toni Meggle (74) an. Der diplomierte Volkswirt ist bereits seit 1969 beim MIV tätig. Seit 1990 ist er Hauptgeschäftsführer des MIV. Im gleichen Jahr wurde Eberhard Hetzner Generalsekretär der Europäischen Schmelzkäseindustrie (ASSIFONTE). Zusätzlich vertritt er die Interessen der deutschen Milchindustrie in zahlreichen weiteren nationalen und internationalen Gremien. Auf seiner Jahrestagung beschloss der MIV-Vorstand, dass für die nächsten zwei Jahre die Präsidentschaft hauptamtlich durch den Hauptgeschäftsführer ausgeübt wird. Zu stellvertretenden Vorsitzenden wurden Dr. Karl-Heinz Engel (Hochwald), Hans Holtorf (frischli) und Toni Meggle (Meggle) gewählt. Schatzmeister wurde erneut Dr. Günter Berz-List (Schwälbchen).

Verbandsfusion – Ende Oktober hat der Milchindustrie-Verband (MIV) die Fusion mit dem Verband der Privaten Milchwirtschaft Nordwestdeutschland beschlossen. Damit steigt die Zahl der vom MIV vertretenen Unternehmen um weitere 25 zumeist mittelständische Betriebe auf über 100 Mitglieder. Durch den Zusammenschluss stärkt der MIV seine Position als zentrale Dachorganisation für die deutschen Molkereien.



GESUND FÜR KÖRPER, KARRIERE UND KOMMUNE

Ausbildung in der Milchindustrie
Der deutsche Ausbildungsmarkt befindet sich in der Krise. Unternehmen klagen zunehmend über die mangelnde Ausbildungsfähigkeit von Bewerbern und Jugendlichen. In strukturschwachen Regionen fehlen zahlreiche Ausbildungsplätze.

Trotz der angespannten Situation gibt es Branchen mit stabilen Ausbildungszahlen und Entwicklungen, die Anlass zu berechtigter Hoffnung geben. Vor allem für ländliche Kommunen ist die Molkereiwirtschaft ein Segen. Auch in Zeiten tiefer Umbrüche – gekennzeichnet unter anderem durch weitreichende Änderungen in der europäischen Agrarpolitik – konnte die Branche ein hohes Maß an Jobsicherheit und viele Ausbildungsplätze gewährleisten.

Sichere Ausbildungsplätze auf hohem Niveau
Die deutsche Milchindustrie bietet Jahr für Jahr Lehrstellen für hochqualifizierte Fachberufe wie Molkereifachmann/frau oder milchwirtschaftliche/r Laborant/in an. Dadurch entstehen für junge Leute attraktive Zukunftsperspektiven. Zusätzlich bilden Molkereien in weiteren Berufen aus, z.B. Industrie- und Bürokaufleute.

Im Jahr 2005 befanden sich 821 angehende Molkeristen und 496 zukünftige Laboranten in der Ausbildung. Die Azubis werden in der Regel gerne übernommen. Aber auch über den ausbildenden Betrieb hinaus sind Milchwirtschaftler in der gesamten Nahrungsmittelindustrie gesuchte Fachleute.

Die Praxis stellt hohe Anforderungen an die Auszubildenden: Neben ausgeprägtem technischen Verständnis - die Produktionsabläufe sind technisiert und häufig EDV-gesteuert - sind ein hohes Verantwortungsbewusstsein und ein ausgeprägter Sinn fürs Detail unbedingte Voraussetzungen. Die Einhaltung höchster Qualitäts- und Sicherheitsstandards prägen den Arbeitsalltag. Und auch die Einsatzfelder sind vielfältig: Lehrlinge durchlaufen Abteilungen wie Eingangskontrolle, Labor, Abfüllanlage, Käsereien oder auch Trocknung und Eindampfung. Dabei sammeln sie u. a. zentrale Kenntnisse über Hygiene, Untersuchungen und Auswertung sowie Betriebswirtschaft und Organisation in einem milchverarbeitenden Betrieb.

Das theoretische Wissen der Ausbildung auf den Gebieten der Chemie, Physik, Mikrobiologie und Informatik sowie über Rechtsvorschriften vermitteln milchwirtschaftliche Lehranstalten.


MILCHWIRTSCHAFTLICHE LEHRANSTALTEN

· Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Milchwirtschaft und Grünlandbewirtschaftung http://www2.allgaeu.org/mske/

· Milchwirtschaftliche Lehr- und Untersuchungsanstalt Krefeld http://www.lva-milchwirtschaft.de/kre_lam.htm

· Lehr- und Versuchsanstalt für Milchwirtschaft der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (Malente)http://www.lva-milchwirtschaft.de/

· Milchwirtschaftliche Lehr- und Untersuchungsanstalt der Landwirtschaftskammer Weser-Ems (Oldenburg)http://www.lwk-we.de/lw_ab_milch_952.html

· Milchwirtschaftliche Lehr- und Untersuchungsanstalt Oranienburg http://www.mlua.de/

· Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum "Milch-Analytik" Triesdorf http://www.triesdorf.de/LFE/index.htm

· Staatliche Milchwirtschaftliche Lehr- und Forschungsanstalt Wangen http://www.landwirtschaft-bw.info/...

Nach Abschluss der Berufsausbildung besteht die Möglichkeit der Weiterbildung. So können sich Molkeristen und Laboranten nach einer zweijährigen berufspraktischen Phase durch ein Fachhochschulstudium als Wirtschafter bzw. Techniker für Milchwirtschaft und Molkereitechnik qualifizieren. Mit drei Jahren praktischer Erfahrung besteht die Möglichkeit, sich zu Molkereimeistern bzw. milchwirtschaftlichen Labormeistern fortzubilden.



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VERBESSERUNG DER RAHMENBEDINGUNGEN
Im Dialog zwischen Milchwirtschaft und Politik müssen praktikable Vorschläge erarbeitet werden, um das traditionell hohe Ausbildungsniveau dauerhaft zu sichern:

  1. Mangelnd vorgebildete Bewerber gefährden den Fachkräftenachwuchs und damit die Zukunftsfähigkeit der Milchindustrie. Ein Anheben des Bildungsniveaus von Schulabgängern insbesondere in naturwissenschaftlich-technischen Fächern ist unerlässlich.
  2. Ein flexibles Vergütungssystem, angepasst an die Leistungsfähigkeit der Bewerber und der ausbildenden Betriebe, ist notwendig. So werden wirtschaftliche Risiken vermindert, die Unternehmen mit der Beschäftigung zusätzlicher Lehrlinge derzeit eingehen.
Die Unternehmen der Milchindustrie erwarten von der Politik, Rahmenbedingungen herzustellen, die es der traditionsreichen Milchbranche erlauben, ihren Erfolg dauerhaft zu sichern.



DUALE AUSBILDUNG WIRD VON BETRIEBEN GESCHÄTZT
Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten

GASTBEITRAG
von Dr. Elisabeth M. Krekel und Klaus Troltsch (Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB))
Die Lage auf dem Ausbildungsstellenmarkt ist nach wie vor angespannt. Zwar konnte im Jahr 2004 die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge insgesamt gesteigert werden, doch lag die Zahl der betrieblichen Verträge immer noch unter der des Vorjahres. Auch für 2005 ist davon auszugehen, dass viele Jugendliche bei ihrer Suche nach einer Lehrstelle erfolglos geblieben sind. Dennoch steht eine duale Ausbildung bei den Jugendlichen weiterhin hoch im Kurs. Aufgrund der demografischen Entwicklung suchen nicht nur immer mehr Jugendliche aus allgemeinbildenden Schulen eine Ausbildung, sondern auch diejenigen, die wegen des unzureichenden betrieblichen Angebotes in den Vorjahren nicht zum Zuge gekommen sind.

Gerade in den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass die enge Koppelung der dualen Ausbildung an das Beschäftigungssystem nicht nur Vorteile hat. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten kann sich diese Verbindung negativ auswirken. Insbesondere in Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit werden häufig wenige Ausbildungsstellen angeboten und mehr Jugendliche bleiben "unversorgt".

AUSBILDUNGSLEISTUNG DER BETRIEBE
Hinweise auf die Ausbildungsleistung der Betriebe geben die Ausbildungs- und Ausbildungsbetriebsquote, die aus der Beschäftigten- und Betriebsstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) berechnet werden. Demnach lag der Anteil der Auszubildenden an der Gesamtzahl der Beschäftigten (Ausbildungsquote) im Jahr 2003 bei 6,4 %. Im Vergleich dazu lag die Ausbildungsquote in der Landwirtschaft (9,4 %) und im Nahrungsmittelgewerbe (7,8 %) deutlich über, in der Milchverarbeitung – trotz eines Anstiegs von 1999 bis 2003 um 0,5 % Punkte – mit 5,0% leicht unter dem Durchschnitt.

Betrachtet man aber die Zahl der Betriebe, die mindestens einen Auszubildenden beschäftigen (Ausbildungsbetriebsquote), ergibt sich ein anderes Bild: In 2003 lag der Anteil der Ausbildungsbetriebe in der Landwirtschaft mit 23,3 % auf gleicher Höhe wie bei den Betrieben insgesamt. Deutlich höher lag der Anteil der Ausbildungsbetriebe im Nahrungsmittelbereich (43,6 %) und bei den Betrieben der Milchverarbeitung (46,2 %). Insbesondere im Bereich der Milchverarbeitung sind in den letzten Jahren deutlich mehr Betriebe in die Ausbildung eingestiegen.

Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Situation in den letzten Jahren und des damit verbundenen Beschäftigungs- und Ausbildungsrückgangs ist Ausbildung nach wie vor unabdingbar für die betriebliche Nachwuchssicherung und eingebettet in eine allgemeine positive Grundhaltung gegenüber Ausbildung. Hierbei scheint es durchaus Ansatzpunkte zur Steigerung des betrieblichen Ausbildungsplatzangebotes zu geben, was angesichts der hohen Zahl an ausbildungsplatzsuchenden Jugendlichen auch dringend geboten ist.



KURZNACHRICHT
Entscheidung im "Feta"-Streit – Der Europäische Gerichtshof (EuGH) urteilte Ende Oktober, dass ab Oktober 2007 die Bezeichnung "Feta" nur noch für Käse verwendet werden darf, der in bestimmten Teilen Griechenlands aus Schafmilch oder einer Mischung von Schaf- und Ziegenmilch hergestellt ist. Damit wies das Gericht die Klagen von Deutschland und Dänemark ab. Diese hatten argumentiert, dass "Feta" eine Gattungsbezeichnung für eine bestimmte Käsesorte und keine Herkunftsbezeichnung für eine Region sei.Der MIV kritisiert das Urteil. Der EuGH habe versäumt, den Missbrauch von Bezeichnungsschutzregeln zu unterbinden. Seit Jahren versuchen verschiedene EU-Staaten missbräuchlich, Käsegattungen durch die Eintragung des jeweiligen Namens als Ursprungsbezeichnung oder geographische Angabe zu schützen. Indem diese Staaten ihren wirtschaftlichen Vorteil über die Interessen der Gemeinschaft stellen, entstehen Wettbewerbsverzerrungen - zum Schaden von Molkereien in anderen EU-Staaten.



· www.bibb.de/de/21840.htm

· Troltsch, Klaus; Krekel, Elisabeth M.: Zwischen Skylla und Charybdis – Möglichkeiten und Grenzen einer Erhöhung betrieblicher Ausbildungskapazitäten durch Unterstützungsmaßnahmen. In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis 1/2006.

· Bundesinstitut für Berufsbildung: Der Ausbildungsstellenmarkt und seine Einflussfaktoren. Bielefeld 2005
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Wie erwartet hat der Milchmarkt zum Jahreswechsel etwas geschwächelt