In Zusammenhang mit der Diskussion um Transfettsäuren (TFA), stellt sich die Frage, wie natürliche wiederkäuerspezifische Transfettsäuren (r-TFA) im Gegensatz zu industriellen Transfettsäuren (i-TFA) auf das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen wissenschaftlich zu bewerten sind.
Wiederkäuer-Transfettsäuren sind anders als industrielle TFA
Frau Dr. Kuhnt und Herr Prof. Jahreis von der Friedrich-Schiller-Universität Jena kommen in ihrer aktuellen Stellungnahme zusammenfassend zu dem Ergebnis, dass sich natürliche und industrielle Transfettsäuren (TFA) deutlich unterscheiden, und zwar hinsichtlich
- der Verteilung der einzelnen Trans-Verbindungen (Isomere)
- der TFA-Konzentrationen im Fett und der aufgenommen Verzehrsmenge
- der ernährungsphysiologischen Bewertung.
Wiederkäuer-TFA sind besonders
Natürliche Wiederkäuer-TFA (r-TFA) werden bei der Verdauung im Pansen des Tieres gebildet und kommen in Produkten von Wiederkäuern, wie Milch und Fleisch vor. In Wiederkäuerfett dominiert deutlich die Vaccensäure (t-11). Der menschliche Körper kann hieraus die sogenannte konjugierte Linolsäuren (CLA) bilden. Der hohe Anteil der CLA (c9,t11) im Milchfett ist nach Kuhnt und Jahreis selbst mit protektiven Eigenschaften, wie anti-carcerogen, anti-atherogen und anti-allergen, assoziiert.
Absolute Verzehrsmenge von Wiederkäuer-TFA gering
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO, 2009) beurteilt die Aufnahme von industriellen Transfettsäuren als gesundheitlich bedenklich wegen eines erhöhten Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Große Studien zeigen demgegenüber für die Aufnahme von r-TFA keinen eindeutigen negativen Effekt, teilweise wurden die r-TFA sogar als schützend (protektiv) bewertet.
Die durchschnittliche Verzehrsmenge an Wiederkäuer-Transfettsäuren wird als gering eingestuft und ist damit gesundheitlich unbedenklich.
Bundesregierung bestätigt MIV-Position
Transfettsäuren (TFA) und ihre gesundheitlichen Wirkungen werden derzeit auch auf politischer Ebene diskutiert. Die SPD-Fraktion stellte überraschend eine Anfrage zu TFA in Lebensmitteln, die kurzfristig von der Bundesregierung (
Drucksache Nr. 17/5332 vom 01.04.2011) unter Berücksichtigung der wissenschaftlichen Fakten im Sinne der Milchindustrie beantwortet wurde.
Es wird betont, dass unerwünschte Einflüsse auf kardiovaskuläre Parameter nur in Interventionsstudien mit industriellen TFA gezeigt wurden. Der Verzehr von TFA aus Wiederkäuerfett liegt in Deutschland weit unterhalb der Mengen, für die unerwünschte Effekte auf kardiovaskuläre Risikoparameter gezeigt wurden. Der MIV begrüßt diese Klarstellung, dass die übliche Aufnahme von ruminanten oder natürlichen Transfettsäuren gesundheitlich kein Problem darstellt.
Ungerechtfertigte Vereinfachung wird abgelehnt
Es gibt Studien, bei denen die Wirkung einer extrem hohen r-TFA-Aufnahme (5- bis 10-fache Menge) künstlich und unrealistisch geprüft wurde. Als Folge dieser beim Verbraucher absolut nicht üblichen Verzehrsmenge veränderten sich Blutfettwerte negativ. Diese Menge wird in Deutschland nach aktuellen Berechnungen
keinesfalls erreicht, worauf die Autoren Kuhnt und Jahreis ausdrücklich hinweisen.
Aussagen, wonach "alle Transfettsäuren (industriell und tierisch) negativ zu bewerten seien und kein ernährungsphysiologischer Unterschied bestehen würde", stellen eine ungerechtfertigte Vereinfachung der Sachlage dar. Die in diesem Zusammenhang zitierte Studie von Brouwer et al. (2010) muß deshalb dringend überarbeitet werden, da sie klare methodische Unzulänglichkeiten hat, wie Kuhnt und Jahreis aktuell in ihrer umfänglichen Bewertung aufzeigen.
TFA-Leitlinie: Milchfett nicht betroffen
Die in der Drucksache der Bundesregierung bereits angekündigten Leitlinien sowie die gemeinsame Initiative zur Minimierung von TFA in Lebensmitteln betreffen nicht die Wiederkäuer und damit nicht die Milch-TFA. Dies geht unter anderem klar aus der "Rahmenleitlinie zur weiteren Minimierung von nicht-ruminanten
trans-Fettsäuren in Lebensmitteln" und der Präambel hervor. Damit findet keine Gleichstellung von r-TFA und i-TFA hinsichtlich der ernährungsphysiologischen Wirksamkeit statt.
Zusammenfassend: Transfettsäuren von Wiederkäuern sind nach aktuellem wissenschaftlichen Stand im Rahmen der üblichen Verzehrsgewohnheiten nicht zu beanstanden.
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Tägliche Portion Milch ist essentiell und Milchfett als Backfett von Vorteil
Da Milch als Grundnahrungsmittel im Rahmen einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Ernährung der Prävention von ernährungsmitbedingten Krankheiten dient, gilt für den Verbraucher nach wie vor, dass die tägliche Portion Milch einen wichtigen Beitrag zur gesunden Ernährung leistet, wie Prof. Jahreis betont. Milchfette sollten daher in der Backfettdiskussion um TFA außen vor bleiben. Sie sind wichtige und wohlschmeckende Backzutaten.
Literatur:
Weitere Informationen rund um Milch finden Sie unter
www.milchindustrie.de
www.meine-milch.de
Der Milchindustrie-Verband e.V. (MIV) repräsentiert etwa 100 leistungsstarke, mittelständische Unternehmen. Diese stellen mit einem Jahresumsatz von rund 20 Milliarden Euro den größten Bereich der deutschen Ernährungsindustrie dar.
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Stand: 13.04.2012